Ordnung ist das halbe Leben. Oder: Die Sache mit den Noten

Artikelbild Zettelwirtschaft

Ordnung ist das halbe Leben. Oder ist, wer Ordnung hält, nur zu faul zum Suchen? Es gibt ja auch Leute, die in bestens sortierten Aktenordnern rein gar nicht finden können. Auch im Chor sammelt sich nach einiger Zeit einiger Papierkram, auch Chornoten genannt, an. Wie lässt sich da Ordnung schaffen und halten?

Neulich beim Noten ausmisten …

Gestern habe ich mit meinem Frauenchor Noten sortiert. Wie mir eine „altgediente“ Sängerin verriet, „haben wir so etwas noch nie gemacht“.
In diesem Chor ist es so, dass alle Sängerinnen ihre Noten selbst mit nach Hause nehmen und auch für das Sortieren etc. zuständig sind. Den Chor leite ich nun seit einigen Jahren und habe in dieser Zeit natürlich auch immer mal wieder neue Noten verteilt. Die gesammelten Werke meines Vorgängers schlummerten auch noch in den Mappen.
So beobachtete ich also wöchentlich, wie meine Sängerinnen mehrere Kilo Papier zur Probe und wieder nach Hause schleppten. Die Taschen wurden immer schwerer und die Logistikkonzepte von der „Extra-heavy-duty-Notentasche“ bis hin zum „Hackenporsche“ wurden immer ausgereifter. Nüchtern betrachtet benötigen wir aber regelmäßig nur etwa 20% des Papiers, welches Woche für Woche in den Proberaum bewegt wurde.

Die Devise lautete also „alles muss raus“. Sie können sich gar nicht vorstellen, was da inmitten emsig sortierender Sängerinnen alles zu Tage trat. Von der Terminliste des Jahres 2013 hin zu Andachtsabläufen aus den Neunzigern war irgendwie alles dabei, was in diesem Chor jemals verteilt wurde. In den nächsten Proben werde ich dann nur das wieder austeilen, was wir auch wirklich benötigen.

Noten suchen

Tabula Rasa im Notensortiment

Ich hielt eine solche Aktion aus zwei Gründen für wichtig. Zum einen natürlich die Angst vor nachhaltigen Rückenschäden meiner Damen. Zum anderen war es aber auch immer so, dass in den vielen Papieren gerne mal die eine oder andere Note verloren ging. Bei meinen eigenen Arrangements war das noch nicht das Problem, hier konnten wir ja schnell nachkopieren (Oh, Notenkopieren – Memo an mich selbst: dazu muss ich noch einen Beitrag verfassen). Bei gekauften Sätzen schon schwieriger oder zumindest teurer. Jetzt haben wir einmal „tabula rasa“. Und das bringt mich zur Frage nach dem idealen System. Wie gesagt, meine lieben Sängerinnen kümmern sich selbst. Außer den dann und wann mal fehlenden Noten ist das für mich die einfachste Variante: Die Notenwartinnen verwalten den „Überschuss“ und kümmern sich darum, dass alle versorgt werden.

Strategien für die richtige Chornoten-Logistik

Aber ich kenne auch andere Systeme, z.B.:

  • Jeder Sänger hat eine Mappe/einen Ordner und diese werden im Probenraum im Schrank verwahrt.
  • Die Notensätze werden einzeln in Aktendeckeln im Schrank aufbewahrt und bei Bedarf verteilt.
  • Für Auftritte gibt es eigene Mappen, die für jeden Auftritt entsprechend befüllt werden.
  • Für bestimmte Anlässe gibt es vorgefertigte Mappen (Ostern, Weihnachten, Beerdigungen), die nur für diese Zwecke verteilt werden und ansonsten im Schrank verweilen.
  • Oder aber der Chorleiter ist so blöd und kümmert sich um die Noten. Das heißt, er bringt zu den Proben das mit, was gebraucht wird und vor Auftritten stellt er die Auftrittsmappen zusammen. Komischerweise wird natürlich auch nur das gebraucht, was er mitgebracht hat 😉

Nun muss ich tatsächlich mal für die Frauen im Chor eine Lanze brechen: Ordnung in den Noten halten können die nämlich nach meinen Beobachtungen tatsächlich besser. Im Männerchor wende ich deshalb sogar wirklich die letzte der Möglichkeiten an, obwohl das sehr viel Arbeit ist.
Wobei das Ordnung halten in dem vielen Papier tendenziell im Alter sowieso schwieriger wird, glaube ich. Aber auch die anderen Systeme haben ihre Nachteile: Mappen und Ordner wollen gepflegt werden. Fehle ich bei zwei, drei Proben ist meine Mappe nicht mehr aktuell. Irgendwas fehlt immer. Oder die Sänger finden es gerade nicht. Das kostet alles Probenzeit.

Nadel im Heuhaufen
Wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen

Verschiedene Mappen für verschiedene Anlässe

Die einzelnen Noten, die vor der Probe aus dem Schrank geholt werden, haben für mich persönlich den Nachteil, dass ich für dieses Konzept einfach viel zu spontan bin. Ich kann vor der Probe meistens gar nicht genau sagen, was wir heute brauchen werden, schon gar nicht, in welcher Reihenfolge. Wenn ich die Noten mitbringe, habe ich meistens einen Koffer mit „Möglichkeiten“ dabei, sodass ich während der Probe spontan etwas austeilen kann. Übrigens selbst das „Austeilen“ musste ich mit manchen Chören üben, damit es nicht für jedes Stück gleich mehrere Minuten kostet.

Gut finde ich die angesprochenen gesonderten Mappen für Ostern, Weihnachten, …
Diese können separat verwahrt werden und das spart über 11 Monate im Jahr an Gewicht. Besonders bei Beerdigungen, die einen Chor ja doch wohl immer kurzfristig überraschen, ist das ein sehr dankbares Konzept. Die Tasche mit den Beerdigungsmäppchen steht immer parat, auch wenn die eine „Sonderprobe“ vor der Beerdigung dann z.B. in anderer Räumlichkeit stattfinden muss, weil unser Probenraum dienstags von einer anderen Gruppe belegt ist.

Kommentieren Sie gerne unten, wie Sie mit dieser Frage umgehen, auch ich habe noch nicht das „perfekte“ System gefunden.

Geht der Trend zur digitalen Notenmappe?

Noten auf dem Tablet
Noten auf dem Tablet

Eine Sache noch: Meine eigenen Arrangements verwahre ich zunehmend digital, das heißt als PDF. Letztendlich kann ich die schneller neu ausdrucken als archivieren. Zumal ich neben dem Anschaffen geeigneter Möbel auch vor dem „Einlagern“ immer die Anzahl der Sätze kontrollieren muss, damit dann nicht in drei Jahren, wenn ich das Stück mal wieder machen will, die Überraschung folgt.
Das ist letztlich auch günstiger, vor allem, wenn ich die Zeit mitrechne. Hier ist es meines Erachtens auch Sache der Verlage, sich sinnvolle Rechte-Konzepte zu überlegen. Zumal die Digitalisierung auch in jungen Chören und Ensembles voranschreitet. Auch ich spiele dann und wann bereits vom Tablet. Das wird in den Chören noch dauern, aber wer weiß? Selbst mein Vater besitzt inzwischen ein Smartphone …

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

Chornoten Arrangement-Verlag

3 Kommentare zu Ordnung ist das halbe Leben. Oder: Die Sache mit den Noten

  1. Das Thema kenne ich nur zu gut. Oft ist es aber dann auch so, das einige Sänger in der Singstunde nach einem bestimmten Stück suchen und die Noten nicht finden können. Somit muss der Notenwart die Partitur ein weiteres mal herausgeben. Wenn man Glück hat, taucht die Partitur dann doch noch auf und er bekommt die Noten zurück, oder aber wenn dann irgendwann mal die Mappe aufgeräumt wird hat der Sänger plötzlich 2 oder dreimal das gleiche Stück in seiner Mappe.

  2. Erfahrungsgemäß hängt die Antwort auf die Frage nach dem bestmöglichen Konzept der Notenverwaltung mit Faktoren zusammen, die in jedem Verein individuell verschieden sind. Um es als Frage zu formulieren: Wie groß ist das Interesse und die Bereitschaft der Mitglieder, sich im Rahmen ihrer Singetätigkeit zu organisieren? Ist man eigenverantwortliches Arbeiten gewöhnt und archiviert seine Noten selbst, weil man auch außerhalb der Chorproben mit den Stücken beschäftigt, etwa Texte und Choreographien lernt? Oder gibt es in Chorstärke Mappen mit einer passenden Werkauswahl für bestimmte Gelegenheiten, die im Vereinslokal verbleiben? Oder ist es am sinnvollsten, das jeweils nächste Lied auszuteilen und anschließend wieder einzusammeln? Oder werden gar keine gedruckten Noten ausgeteilt und lieber Beamer, Projektor oder Gedächtnis bei der Einstudierung eingesetzt?

    Bei der Beantwortung wird man sich je nach Leistungsniveau, Altersstruktur, Chorgattung, individueller Chordisziplin und dergleichem mehr seitens der Mitglieder stets von Verein zu Verein anders entscheiden müssen. Sobald es eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis gibt, dauert es länger, bis alle Sänger das Notenmaterial einsatzbereit in den Händen halten. Besteht die Diskrepanz unter den Chormitgliedern selbst, wird höchstwahrscheinlich das Konzept Anwendung finden, das bei den langsamsten und am schlechtesten organisierten Chormitgliedern noch am ehesten funktioniert.

    Inzwischen kann ich als Chorleiter die in vielen Chören kursierende Erkenntnis teilen, dass „Notenwart“ so ziemlich das unattraktivste aller Ämter im Verein ist: Bindeglied zwischen spontan entscheidenden Chorleitern und bequemen Sangeskollegen, denen es zu mühsam ist, zweimal umzublättern und die lieber einfach „han isch net“ nuscheln… .

  3. Ziemlich auf den Punkt gebracht, aber die sozialen Aspekte des gemeinsamen Gesangs sollte man nicht vernachlässigen. Also nicht aufregen, wenn mal jemand seine Noten nicht findet… Ich habe mich trotzdem im Februar 2019 zum Notenwart wählen lassen. Knapp 800 Einträge sind vorhanden, bedingt durch Übernahme des Notenmaterials ausgestorbener Chöre. Das Notenmaterial muss nun gesichtet und sortiert werden. Das perfekte System gibt es nicht, es sei denn, man passt die Bedingungen oder Voraussetzungen an. Virtuell (digital) ist alles klar. Ich werde in der Realität alle Werke alphabetisch nach Titel sortieren; die Mappen erhalten die Nummern A1001 bis Z1999. Einmal im Jahr muss ich dann den Notenschrank bei Anschaffung neuer Literatur minimal umsortieren. Wenn ich mit meiner Mammutaufgabe fertig bin, kann ich gerne meine simple Tabellenkalkulations-Mappe zur Verfügung stellen – Diskussionsbedarf ist ja ausreichend vorhanden (…“Hulapalu“ ist doch sexistisch – darf man das überhaupt singen?…). Dann könnte man auch „Ins Heu“ und „Erhebet das Glas!“ aussortieren (Alkoholkonsum förderndes Liedgut). Ich lasse die Kirche lieber im Dorf (… und Moscheen und Synagogen natürlich auch).

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