Advent – eine besondere Zeit

Artikelbild Weihnachtspause

Der Advent ist für mich als Chorleiter, Organist und Musiker eine ganz besondere Zeit. Ich habe die Aufgabe, Menschen still werden zu lassen. Sie eine adventliche Stimmung spüren zu lassen. Sie die Hektik des Alltags vergessen zu lassen. Das bedeutet natürlich auch, dass es für mich umso schwieriger wird, selbst einmal innezuhalten.

Selbst einmal innezuhalten, weil auch ich einen Christbaum aussuchen und Geschenke besorgen muss. Aber ich will nicht rumheulen, denn wenn man sich überlegt, dass man Kirchenmusiker und Chorleiter sein will, sollte man wissen, dass man dann Weihnachten nicht frei hat.

Mein Advent

Advent bedeutet für mich und meine Chöre zu allererst Planung, da viele Termine anstehen. Im Idealfall haben wir uns schon zu Beginn des Jahres überlegt, wo und wann wir singen wollen. Es kommen aber immer wieder „plötzlich“ Andachten, Auftritte beim Senioren-Adventskaffee, auf dem Weihnachtsmarkt, beim „lebendigen Adventskalender“ im Ort, Nikolaussingen im Seniorenheim und so weiter.

Chor singt Weihnachten
Ein gängiger Auftrittsort im Dezember: die Kirche

Um all dieses zu schaffen, fällt natürlich auch die eine oder andere Sonderprobe an. Denn nach dem Advent wird Weihnachten kommen. Es ist gar nicht immer so leicht, die vielen Termine auch hier unter einen Hut zu bringen. Und dann plane ich mit zwei meiner Chöre dieses Jahr noch ein „richtiges“ Weihnachtskonzert, also nach Weihnachten. Auch da kommt noch einiges an Arbeit auf uns zu. (Den Unterschied zwischen Advent und Weihnachten muss ich hier vermutlich nicht erklären, aber es regt mich immer wieder auf, wenn im Advent zum Weihnachtskonzert eingeladen wird oder im Adventskonzert plötzlich Weihnachtslieder gesungen werden. Unser Pastor sagt immer: „Die Leute sollten aufhören, im Advent schon Weihnachten feiern zu wollen.“ Und dann ist am 27. Dezember plötzlich alles vorbei und der Alltag kann gar nicht schnell genug wieder beginnen …)

Also es geht in meinem Advent um Musik. Um Proben. Um Auftritte. Und das natürlich etwas konzentrierter als in anderen Zeiten des Jahres.
Aber es geht noch um etwas anderes:

Was war? Was ist? Was kommt?

Im Advent bereite ich mich immer auf die Generalversammlungen der Chöre vor. Entweder sind die verbunden mit einer kleinen Adventsfeier oder in anderen Chören gleich am Anfang des neuen Jahres. Unter dem Tagesordnungspunkt „Worte des Dirigenten“ darf ich meinen Senf ablassen. Und das tue ich seit einigen Jahren im inzwischen bewährten Dreiklang aus der Überschrift.

Was war? (Rückblick)

Ein kurzer Überblick über die Termine des vergangenen Jahres. Was haben wir alles geschafft? Gab es Gelegenheiten sich musikalisch weiter zu entwickeln? Gab es Schwierigkeiten? Für mich als Zahlenmensch gehören hier immer auch Kennzahlen wie „durchschnittlicher Probenbesuch“ oder „durchschnittliche Anzahl der Proben je Auftritt“ hinein. Denn manchmal muss man feststellen, dass man in diesem Jahr z.B. nur zwei Proben je Auftritt hatte. Das erklärt dann auch, warum wir so wenig Neues geschafft haben.

Was ist? (Augenblick)

In dieser Kategorie gibt es von mir immer einen Standpunkt. Wo stehen wir in diesem Moment als Chor? Was können wir? Was können wir (noch) nicht? Ich verteile ehrliches Lob aber eben auch Kritik. In der Betriebswirtschaft gibt es das Instrument der „SWOT-Analyse“ (LINK). So oder so ähnlich betrachte ich auch meinen Chor.

Was kommt? (Ausblick)

Rückblick und Standpunktbestimmung mache ich natürlich nicht, um in den Versammlungen was sagen zu können oder weil mir sonst nichts einfiele. Ich möchte daraus Ziele für den Chor ableiten.
Also:

  • Woran möchte ich mit euch im nächsten Jahr besonders arbeiten?
  • Gibt es Ideen für bestimmte Probleme?
  • Wie können wir unsere Stärken gut einsetzen etc. Außerdem stelle ich hier das mit dem Vorstand erarbeitete Terminkonzept vor. Wollen wir z.B. im nächsten Jahr ein Konzert veranstalten?
  • Was sind wichtige Termine, die uns beschäftigen werden?
  • Vielleicht haben wir uns auch überlegt, weniger Auftritte anzunehmen, weil wir im Rückblick festgestellt haben, dass man mit zwei Proben je Auftritt nicht wirklich von der Stelle kommt?

Wichtig daran ist mir, dass die Sänger erkennen, dass es einen Plan gibt. Eine Strategie. Dass sie sehen, dass der Vorstand und ich uns gemeinsam Gedanken machen, wie man Probleme lösen kann. Dass sie rechtzeitig wissen, ob das Jahr stressig wird und sich darauf einstellen können. Dass sie sich mitgenommen fühlen. Und auch wenn wir im nächsten Jahr feststellen müssen, dass wir alles nicht erreicht haben, glaube ich doch, dass es entscheidend ist, sich Ziele zu setzen und diese über das Jahr zu verfolgen.

Singen beim Adventskonzert

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Und so ziehe ich auch ganz privat im Advent Bilanz. Was habe ich persönlich geschafft? Welche Ziele habe ich nicht erreicht und warum? Wo stehe ich? Wo will ich hin? Und auch bei mir läuft manches doch anders als geplant.
Vor einem Jahr habe ich bei einem Chor zum Ende dieses Jahres gekündigt. Ich hatte nicht gedacht, dass ich im Juni schon wieder einen neuen Chor zusätzlich haben würde, das war gar nicht geplant.
Vor einem Jahr war ich zum Beispiel auch noch felsenfest davon überzeugt, dass ich im Oktober dieses Jahres meinen eigenen Blog zum Thema „Chor“ starten wollte. Bis dahin wollte ich Texte schreiben und mir das nötige technische Wissen aneignen. Ideen sammeln und recherchieren. Meine Seite sollte unter www.chortipps.de zu finden sein.

Und dann kam mir der Arrangement-Verlag zuvor. Und heute bin ich froh über diese Kooperation. Ich kann mich auf das Schreiben konzentrieren und muss mir keine Gedanken über „abmahnsichere Impressumsangaben“ und solche Dinge machen.

Da Weihnachten vor der Tür steht und ich, wie oben beschrieben, recht viel zu tun haben werde, ist dies mein letzter Artikel für dieses Jahr. Aber ich werde um Weihnachten herum auch noch ein bisschen Zeit finden, die ich mit meiner Familie verbringen und einfach genießen kann. Aber seien Sie gewiss: In meinem persönlichen Ausblick für 2017 gibt es noch viele Ideen für Beiträge auf chor-heute.de!

Und so möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünschen und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017. Ich möchte mich dafür bedanken, dass Sie diesen und die anderen Artikel lesen und unser noch kleines Projekt chor-heute.de damit unterstützen. Es ist noch ein zartes Pflänzchen, aber die Kommentare und Reaktionen auf Facebook und unter den Beiträgen machen deutlich, dass wir hier über Themen schreiben, die interessant und relevant sind.
Und das ist eine wunderbare Motivation auch im nächsten Jahr für Sie zu recherchieren und meine Gedanken mit Ihnen zu teilen. Und so verabschiede ich mich nun in eine kleine „Winter(schreib-)pause“.

Ihr

Christoph Tiemann

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

Chornoten Arrangement-Verlag

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