Das (fast) perfekte Chorkonzert – Teil 2

Kreative Ideen für das Konzert finden

Artikelbild Konzetrplanung Teil2

Im ersten Teil dieser Reihe haben wir weit vor unserem geplanten Konzert die Grundsteine gelegt: Der Termin steht, die Räumlichkeiten sind gebucht, unser Team ist vorgewarnt bzw. auch schon fest gebucht. Auch eine Idee für ein Thema oder sogar einen fertigen Konzerttitel haben wir.

Ich bin schwanger: Die Planungsphase

Jetzt beginnt für mich eine Phase, die durchaus ein halbes Jahr in Anspruch nehmen kann: Ich „gehe schwanger“ mit meiner Idee. Nicht mehr und nicht weniger. So wie ein guter Wein reifen muss, muss das auch eine Konzertidee. Nun klingt das nach weniger, als es tatsächlich ist.

Das Wichtigste in dieser Phase ist ein gutes Notizbuch. Und irgendwas, das Sie regelmäßig an Ihr Konzert erinnert. Das kann ein Zettel am Kühlschrank sein oder was auch immer. Auch bei dem Notizbuch gibt es ja unzählige Varianten. Ob Sie ein Büchlein führen, eine „Lose-Blatt-Sammlung“, sich Ideen ins Diktiergerät sprechen oder aber auf der Höhe der Zeit mit Evernote, One Note oder wie sie alle heißen Ihr Smartphone quälen, spielt überhaupt keine Rolle. Hauptsache, alle Ideen und Gedanken werden an einer Stelle „gelagert“.

Notizen machen Brainstorming
Ob Papier oder App: Notizen sind wichtig!

Wie sieht das nun konkret aus?

Vereinfacht gesagt: Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt.
Mir fällt im Radio oder Fernsehen ein Lied auf, das in mein Konzert passen könnte? Auf die Liste damit!

An dieser Stelle ist es mir noch vollkommen egal, ob es dazu einen Chorsatz in der gewünschten Gattung gibt oder nicht. Genauso egal ist es, ob dieses Lied mit meinem Chor singbar ist oder nicht. Ob es Englisch ist oder Papua-Neuguineanisch (oder was spricht man dort?). Mir ist dieses Lied aufgefallen, also kommt es auf die Liste.

Auch bei Youtube sind mir schon gute Ideen vorgeschlagen worden. Oder beim Noten aussuchen für eine Chorprobe fällt mir mal ein Chorsatz in die Hände, der passen könnte. Gleich rauslegen und Notiz dazu machen.
Genauso könnte ich auf einem Konzert, das ich selbst besuche, eine tolle Anregung für meine Moderation finden. Notizbuch dabei? Habe ich vielleicht in einem Geschäft beim Shoppen eine Dekorationsidee? Smartphone raus, Foto machen! (Und einen Hinweis darauf ins Notizbuch. Wie gesagt: Alles an einem Ort …) Es gibt unzählige Ideen, die mir einfach zwischendurch „über den Weg laufen“, wenn ich einmal die grobe Konzertidee im Kopf habe. Und so wächst mein Konzept zu einem guten Teil von ganz alleine.

Ideen als Fotos speichern
Ideen als Foto festhalten

Aber darauf zu vertrauen, dass alles wie von Geisterhand „irgendwie wird“, reicht mir dann auch nicht. Es gibt Momente, in denen ich mir sehr bewusst Zeit nehme und alles in Gedanken durchspiele. Wieder dabei: Mein treuer Begleiter, das Notizbuch. Die besten Ideen kommen mir dabei unter anderem:

Im Sessel

Ob nun mit Zigarre und gutem Glas Wein am Kamin oder an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse: Ich nehme mir ein, zwei Stunden Zeit und sinniere einfach ein wenig über mein Konzert. Lasse es im Kopf wachsen. Füge einzelne Ideen aus meinen Notizen schon mal zusammen.

Im Auto

Ich sitze jede Woche mehrere Stunden im Auto. Hier mal das Radio ausstellen und während der Fahrt das Konzert in Gedanken durchspielen. Dabei natürlich weiterhin konzentriert am Straßenverkehr teilnehmen! Aber wenn andere Leute im Auto telefonieren können, kann ich auch ein Konzert planen.
Übrigens für Ideen im Auto nutze ich so ein Uralt-Diktiergerät, da das mit dem Schreiben während der Fahrt nicht ganz so einfach ist. Bin auch schon mal angehalten worden, weil die „Blau-weißen“ das für ein Handy hielten. Die haben dann schon ganz schön doof geguckt, als ich denen mein Museumsstück vorgeführt habe. Das darf man nämlich während der Fahrt nutzen.

Rallye-Fahrzeug
Ideen sammeln bei einer entspannten Autofahrt

Im Archiv

Irgendwann nehme ich mir einen Sonntagnachmittag, schließe mich in meinem Notenarchiv ein und blättere ein wenig oder auch ein wenig mehr. Natürlich ist nicht in jedem Buch was Passendes. Aber wenn ich was zum Thema „Heimat“ suche, sind die Volksliedersammlungen auf jeden Fall einen Blick wert.
Irgendwas findet sich auch immer in den ganzen Ordnern mit Lose-Blatt-Sammlungen. Wenn ich dann pünktlich zum Tatort das Archiv wieder verlasse, habe ich meistens mehr Lieder gefunden, als ich im Konzert überhaupt unterbringen kann. Alles rauslegen, bislang sind das ja nur Möglichkeiten. Was davon letztlich zu hören sein soll, wird später entschieden.

Im Internet

Wer immer noch nicht genügend Ideen hat, kann ja auch im „Neuland“ gucken. Eins von den „Machen-wir-auf-jeden-Fall“-Liedern bei Youtube ansehen und die weiteren Vorschläge auf der rechten Seite interessiert durchgucken. Oder einmal bestimmte Schlüsselbegriffe zu meinem Thema durch die Suchmaschine schicken. Meistens ist meine Idee gar nicht so neu und man kann sich einiges von anderen abgucken. Oder auch bei den Notenverlagen vorbeischauen und mit der Suchfunktion spielen; ist beim Arrangement-Verlag ganz praktisch! 😉

YouTube Videovorschläge
Videovorschläge rechts bei YouTube

Im Gespräch

Die mit Abstand besten Ideen kommen aber immer noch in der persönlichen Kommunikation. Im Dialog. Offline.

Auch wichtig: Kreative Ideen aus dem Chor

Zum einen sind da als erstes die Beteiligten. Immer dann, wenn eine Idee von mir spruchreif ist, stelle ich die im Chor in einem Nebensatz vor. Ab und zu kommen dann tatsächlich weiterführende Ideen zurück. Als ich zu meinem Seefahrtskonzert die Idee vorstellte, dass die Männerchor-Sänger sich im Hafen von ihren Frauen (dem beteiligten Frauenchor) verabschieden und dann erst das Schiff – also die Bühne – betreten, hatte ich ruck zuck zwei Leute, die mich nach der Probe fragten, was ich davon hielte, wenn sie eine „Gangway“ bauen würden. Einer wollte ein Nebelhorn basteln. Klasse, so macht die Arbeit Spaß!

Notizzettel auf dem Smartphone
Geht auch mit Apps: Notizen auf dem Smartphone

Und dann habe ich da noch ein paar Leute mehr, mit denen ich mich über Konzertideen austausche. Zu Hause sowieso. Aber auch befreundete Chorleiter, mit denen ich „mal einen Kaffee trinke“. Oder andere „kreative Köpfe“ im Bekanntenkreis.
Auch hier gibt es wertvolle Ergänzungen. Als ich mit einer Freundin über die besagte Hafenszene sprach, sagte sie in etwa „Oh ja, ich sehe die Frauen da schon stehen und mit weißen Taschentüchern winken!“ – Notizbuch raus: „weiße Taschentücher besorgen!“ Aber dann und wann wird mir in solchen Austauschgesprächen auch der Wind aus den Segeln genommen (um im Bild zu bleiben). „Bist du sicher, dass das funktioniert?“, „Das würde ich vielleicht anders machen“ – auch solche Hinweise führen dazu, dass ich zumindest nochmal drüber nachdenke.

Im nächsten Teil der Reihe rücken wir dem Konzert wieder ein Stückchen näher und werden wieder ein bisschen konkreter. Gleich nach der nächsten Maus!

Bilder: pixabay.de, graphicstock.com

Christoph Tiemann
Christoph Tiemann

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

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