Das (fast) perfekte Chorkonzert – Teil 4

Teams bilden und Aufgaben verteilen

Artikelbild Chorkonzert Teil 4

Unsere Grundidee zum Konzert hat ja während des Reifungsprozesses noch Junge bekommen. Und um die kleinen „Das könnte ich mir auch noch gut vorstellen“-Ideen geht es im vierten Teil.

Aufgabenverteilung und Teamwork für das Chorkonzert

Die Idee zu unserem Konzert ist geboren. Sie ist gereift. Wir haben Stücke ausgewählt und die Proben dazu sind angelaufen. Aber unsere Idee vom Konzert ist ja noch gewachsen mit den vielen kleinen „Sub-Ideen“ á la „Das könnte ich mir auch noch gut vorstellen“.

Ich gebe es ja zu: Ich bin auch ein bisschen Egoist und Eigenbrötler. Frei nach dem Motto „There is an I in Team“.

Bis hierher habe ich lediglich den Chor davon überzeugt, dass wir ein Konzert veranstalten möchten, hier und da mal eine Idee zum Weiterdenken in den Raum geworfen und mit dem Vorstand einige Details wie zum Beispiel Termine besprochen. Ansonsten war ich ziemlich alleine mit meiner Idee unterwegs. Das soll sich heute ändern. Erstens, weil ich die ganzen Ideen allein niemals stemmen könnte. Und zweitens soll das ja ein gemeinsames Projekt werden. Viele Hände, schnelles Ende (Fünf Mark ins Phrasenschwein …).

Also bereite ich mich auf eine besondere Probe vor: Am Ende möchte ich Teams haben, die sich um verschiedene Bereiche kümmern. Ich möchte Begeisterung wecken. Und ich möchte meine Idee beim Konzert möglichst unverfälscht wissen. Das ist das eigentliche Problem: Der Vorstand und ich wollen Arbeit an Sängerinnen und Sänger abgeben. Und die sollen sich dabei auch entfalten können. Dennoch möchten wir gerne die „Kontrolle“ behalten ohne dass sich die „Arbeiter“ gegängelt fühlen.

Einer muss Chef sein

Nun könnte ich hier natürlich ein langes Referat über Vor- und Nachteile verschiedener Führungsstile schreiben, aber da gibt es schon diverse im Netz. Zur Not einfach mal die Wikipedia befragen. Ich persönlich bin (sowohl in meinem Hauptberuf als auch in der Arbeit als Chorleiter) davon überzeugt, dass man die besten Ergebnisse erreicht, wenn man als „Chef“ ziemlich klar seine Vorstellungen von etwas äußert und alle sich an diesen Vorstellungen orientieren können.

Die gleiche Sicht auf ein Ziel lässt den Einzelnen schon die richtigen Entscheidungen treffen. Es ist wie bei den Bienen oder den Ameisen: Eine einzige Königin und alle anderen haben jeweils ihre Aufgabe. Keiner sagt ihnen, was genau zu tun ist. Es gibt nur ein Ziel: Ein schönes Leben. Die kleinen Ameisen wissen genau, was dafür notwendig ist: Einige kümmern sich um das schicke Häuschen im Grünen, andere schaffen Essbares herbei und wieder andere kümmern sich um den Nachwuchs. Und: Es funktioniert.

Ameisen auf Hand
Viele kleine Helfer auf der führenden Hand

Also gibt es zunächst einen längeren Monolog von mir: Was habe ich mir überlegt, welche Ideen habe ich schon „vorgesponnen“, wie sieht der inhaltliche „rote Faden“ musikalisch aus, was könnte dazu passen, welche Stimmung möchte ich vermitteln und so weiter.

Dann kommt eine Phase, in der ich bestimmte Dinge mit dem Chor offen diskutiere: Die Gangway beim Seefahrtskonzert ist ja eine tolle Idee, aber hast du darüber nachgedacht, wie lange es dauert, bis dreißig „alte Säcke“, teilweise mit Krückstock und Rollator dann auf der Bühne sind? Ohne vernünftiges Geländer?
Tja, Recht hatten sie, meine Sänger. Also war die Idee mit der Gangway wieder gestorben. Ansonsten wurden an diesem Abend folgende Teams gebildet:

  • Team „Deko“
  • Team „Verpflegung“
  • Team „Aufbau“ und
  • Team „Abbau“
  • Team „Werbung“

Jedes Team bekommt gewisse Grundsätze mit auf den Weg: Das „Dekoteam“ weiß, dass ich gerne ein Schiff auf der Bühne haben möchte. Ich zeige ihnen ein Foto von einem Santiano-Konzert. Die weißen Segel machen doch was her. „Denkt nur dran, dass noch ein Chor und ein paar Mikrofone Platz haben müssen.“

Deko für das Chorkonzert
Deko für das Chorkonzert

Team „Verpflegung“ weiß, dass Fischbrötchen verkauft werden sollen. Es soll Rum geben. Und natürlich die „Standard-Getränkekarte“. Welcher Fisch, woher der kommt, wer kellnert, während wir singen: Das ist eure Aufgabe.

Team Verpflegung mit viel Arbeit
Viel Arbeit für das Verpflegungsteam

Team „Werbung“ besteht aus einer Person. Der ist aber Inhaber einer Werbeagentur. Der muss wissen, was er tut.

Die Teams für Auf- und Abbau sind vor allen Dingen vor und nach dem Konzert da und können alles Mögliche mit anpacken. Wenn vorher noch Bühnenelemente irgendwo abgeholt werden müssen. Stühle gestellt werden sollen. Das Dekoteam Unterstützung braucht. Diese Jungs sind zur Stelle und haben die Werkzeugkiste dabei.

Klare Aufgabenverteilung mit Raum für Ideen

Wichtig ist eben, dass alle ein ähnliches Bild von dem haben, wie das nachher aussehen und rüberkommen soll. Dass der Vorstand und ich jederzeit für Fragen und Anregungen zur Verfügung stehen, ist ja klar. Und so werden in den nächsten Monaten immer wieder Leute auf mich zukommen und fragen:

„Wir haben uns dieses oder jenes überlegt. Was hältst du davon?“
In den meisten Fällen werde ich antworten:

„Geile Idee – genau so machen!“, nur in wenigen Ausnahmen gibt es ein „Ja, aber“.

Manchmal scheitert es natürlich auch an der finanziellen Machbarkeit. Lassen Sie daher Ihren Kassierer auch zumindest einen Hinweis geben, was im Vorfeld gehen könnte und was nicht.

Jetzt können die Teams loslaufen und sich ihrerseits wieder Gedanken über die Umsetzung meiner „fixen Ideen“ machen. Vielleicht auch was streichen oder was Neues dazu erfinden. Ich kann mich nun weiter auf meine Proben konzentrieren und auf das, was musikalisch und inhaltlich passieren soll. Dazu mehr im nächsten Teil.

Die anderen Teile dieser Artikelserie:

Das (fast) perfekte Chorkonzert Teil 1
Das (fast) perfekte Chorkonzert Teil 2
Das (fast) perfekte Chorkonzert Teil 3

Christoph Tiemann
Christoph Tiemann

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

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