Das (fast) perfekte Chorkonzert – Teil 1

Erstellen des Fundamentes für ein gelungenes Chorkonzert

Artikelbild Chorkonzert Planung

Neben anderen Auftritten sind eigene Konzerte des Chores immer was Besonderes. In unserer neuen Artikelreihe bauen wir eine Checkliste für die Konzertplanung. Im ersten Teil fangen wir beim Fundament des Konzerts an.

Konzertplanung: Stresspegel und Alpträume

Ja, dieses wird wieder so eine Artikelreihe werden. Eine Artikelreihe, bei der ich am Anfang noch gar nicht so ganz genau weiß, wo ich eigentlich am Ende landen will und werde.

Kurz zum Hintergrund: Am Wochenende habe ich erneut ein Konzertprojekt hinter mich gebracht. Und nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Die nächsten vier Projekte sind für dieses Jahr schon in der Planung. Nach meiner Erfahrung steigt der Stresspegel vor einem Konzert zumindest bei mir immer nahezu ins Unermessliche. Das führt dann dazu, dass mir wirklich äußerst kurz vor dem Konzert noch so Selbstverständlichkeiten durch den Kopf rauschen wie: „Du musst noch ein Weinpräsent für die Solistin besorgen“. Nicht schön, das verursacht nur zusätzlichen Zeitdruck. Und das hätte ich ja auch schon vor zwei Wochen erledigen können.

An alles denken beim Chorkonzert
Bild: andreas160578, Pixabay

Also überlege ich mir (überlegt habe ich das schon häufiger, aber heute mache ich es auch), dass es doch sinnvoll sein könnte, diese Dinge mal aufzuschreiben. Und da bestimmt viele von Ihnen auch Konzerte veranstalten, teile ich meine Überlegungen hier mit Ihnen und hoffe, in den Kommentaren die eine oder andere Ergänzung für mich abgreifen zu können.
Am Ende soll dann so eine Art „Checkliste“ stehen, die ich beim nächsten Konzert in zeitlicher Reihenfolge abarbeiten kann. Also los, Christoph: Wie geht Konzert?

Am Anfang war noch alles gut …

Den ersten Teil, den ich heute beschreiben möchte, habe ich noch ganz gut im Griff. Und ich behaupte, dass dieses „Fundament“ das Wichtigste für ein gelungenes Konzert ist. Es geht um die „drei T“. Das hat rein gar nichts mit dem ARD-Kulturmagazin zu tun, vor dem ich manchmal sonntags abends auf dem Sofa aufwache, sondern steht hier für

  • Titel / Thema
  • Team / Beteiligte
  • Termin / Ort

Mit diesem Trio beschäftige ich mich lange vor dem Konzert. Lange heißt für mich in diesem Fall: etwa ein Jahr im Voraus.

Ein Thema für das Chorkonzert

Nummer 1: Ein Titelthema für das Konzert

Meistens beginnt so etwas bei mir mit dem ersten T.
Ich habe eine Idee für ein Thema oder einen Titel oder eine Stimmung, die ich ausdrücken möchte. Ich könnte hier die wildesten Geschichten erzählen, bei was für Gelegenheiten mir schon solche Ideen gekommen sind. Das erspare ich Ihnen. Aber mir hilft es definitiv, mich an einem Thema entlanghangeln zu können.

Man kann was machen zu „Liebe“ zu „Mann und Frau“; ich wollte mal auf der „Santiano-Welle“ mitschwimmen und daraus wurde ein Konzert „Singen und Mee(h)r“. „Heimat“ steht für dieses Jahr noch auf der Liste.
Oder genrebezogen: „just GOSPEL“ hieß mein jüngstes Konzert. Oder „Männerchor modern“. „Summer In The City“ gab’s schon mal.
Dann hatte ich für eine musikalische Andacht im Kirchenchor mal einen Arbeitstitel rausgegeben mit „Advent im Oktober“. Der ist nirgends aufgetaucht, sollte nur für die Beteiligten ausdrücken, wie ich mir die Stimmung vorstellte.
Apropos Advent: Da hatte ich mal ein Konzert mit dem klangvollen Titel „the sound of silence – Klänge im Advent“.

Fallen Ihnen zu jedem dieser Vorschläge auf Anhieb auch mindestens zwei Stücke ein, die man da machen kann? Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Bei mir sind es meistens fünf bis zehn solcher „Auf-Anhieb-Stücke“. Ich glaube, das trainiert sich, je öfter man so an ein Konzert rangeht.

Musik, Kleidung und Bühnenbild

Aber nicht nur Lieder schießen mir durch den Kopf. Machen Sie mal den Versuch: Kommt Ihnen bei einem der oben genannten Titel eine Idee für ein Bühnenbild? Können Sie sich ein passendes Chor-Outfit vorstellen? Hören Sie im inneren Ohr bestimmte Geräusche? Haben Sie auf irgendwas Bestimmtes Appetit?

Christoph, was soll das?

Nun, je mehr Assoziationen Sie zu einem Thema haben, umso mehr Ideen können sich daraus entwickeln.
Zum Beispiel Ideen für das „Rahmenprogramm“.
Beispiel gefällig? Wir haben mit einem Chor beim „Seefahrtskonzert“ zu Beginn das Möwengekreische vom Band eingespielt, Rum ausgeschenkt, der Moderator war ein „alter Seebär“. Auf der Bühne stand in der Mitte ein großer Mast und es war ein Segel gespannt. In der Pause gab’s Fischbrötchen. Die gingen weg wie warme Semmeln und haben einen guten Teil zu den Gesamteinnahmen beigetragen. Wenn ich ein Konzert plane, geht es immer um Stimmung, Gefühl, einen roten Faden. Niemals um eine Aneinanderreihung von Liedern. Manchmal bietet sich hier auch schon ein bestimmter Ort an. Seefahrtskonzert in der Kirche wird zum Beispiel nichts …

Mitwirkende beim Chorkonzert

Nummer 2: Die Mitwirkenden am Chorkonzert

Wenn ich dann dieses Thema mit ersten Ideen grob skizziert habe, geht es ans zweite T: Ich überlege mir, wer in dieses Konzept passen würde.

  • Wer wird mein Team?
  • Möchte ich einen weiteren Chor einladen oder eine weitere Gruppe aus meinem Ort einbinden?
  • Brauche ich Solisten?
  • Eine Band?
  • Welches technische Equipment wird benötigt?

Denken Sie darüber nach, wer unbedingt und wer optional beteiligt sein sollte. Bei einem Konzert zum Thema Heimat denke ich z.B. über den örtlichen Heimatverein nach.

Der Termin für das Chorkonzert

Nummer 3: Einen Termin für das Chorkonzert finden

Und jetzt kommt das schwierigste: Finden Sie einen Termin!

Und zwar einen, bei dem alle, die unbedingt dabei sein sollten, auch können. Und der zum Konzert passt. Warum sage ich das?
Naja, ein Adventskonzert kann nur im Advent stattfinden, das brauche ich nicht zu erwähnen. Aber diese Zeit ist knapp. Und vielleicht muss ich bei den Beteiligten dann noch mal variieren, weil zwei nicht können?
Stellen Sie sicher, dass Sie die Räumlichkeiten zu Ihrem Konzert nutzen können. Machen Sie sich schlau, ob an diesem Termin schon weitere Veranstaltungen in der Umgebung geplant sind.

Und: Machen Sie nicht einen Termin, sondern auch gleich einen für die Generalprobe, einen für den Aufbau der Technik, vielleicht ein, zwei Samstagsproben, etc. Und auch für diese brauchen Sie wieder Räume …

Sie merken: Ganz schön viele Variablen! Und genau deshalb das alles schon etwa ein Jahr im Voraus.
Die Terminkalender anderer Musiker haben noch Lücken. Die meisten anderen Veranstaltungen sind noch nicht geplant. Nur so haben Sie Chancen, möglichst viele Zusagen zu erhalten. Und machen Sie Ihre Termine schon mal bekannt; im Chor sowieso.
Buchen Sie Ihre Musiker und Solisten. Blocken Sie die Räume. Wenn die Vereine im Ort sich treffen, um Termine zu besprechen. Im Pfarrbüro. Und überall sonst, wo Sie denken: „Der oder die müsste das wissen“.
Jetzt haben Sie eine Idee, einen Ort, einen Termin, ein Team.

Und jetzt kommt der nächste Schritt: Auf den nächsten Teil dieser Artikelreihe warten 😉

Das fast perfekte Chorkonzert

Christoph Tiemann
Christoph Tiemann

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

1 Kommentar zu Das (fast) perfekte Chorkonzert – Teil 1

  1. Das spricht mir doch aus der Seele,

    ich hab gerade mal ein Konzert begleitet.

    „wir wissen wie das geht“
    Sind das nur die „Neuen“ die einen Plan und eine Checkliste brauchen?

    Mein Programm (ca. 30 Stunden Arbei) war immerhin bis 3 Tage vor dem Konzert aktuell.

    Also ich lese auf jeden Fall weiter….

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