Liedauswahl mit System: das (fast) perfekte Chorkonzert – Teil 3

Mit System die richtigen Lieder auswählen

Artikelbild Konzertplanung Teil 3

Sechs Monate vor dem Konzerttermin. Das klingt nach viel Zeit, oder? Diese verkürzt sich aber rapide, wenn es um die Stückauswahl für das Konzert geht.

Heute haben wir die Qual der Wahl. Und es wird musikalisch. Deko spielt dabei keine Rolle.

Ein System in die Ideen bringen

Das geplante Konzert rückt unweigerlich näher und so langsam müssen wir auch mit dem Chor etwas tun. Einerseits werden die Sänger ungeduldig und zweitens wollen wir ja auch im Konzert etwas präsentieren können.
Wir befinden uns jetzt ca. sechs Monate vor dem geplanten Konzerttermin. Machen Sie die gleich beschriebene Arbeit gerne auch schon eher, bei mir ist aber IMMER! ALLES! kurz vor knapp. Ich glaube inzwischen, dass ich unter einem gewissen Termindruck am besten arbeiten kann. Aber heute soll es ja nicht um Psychologie und effiziente Arbeitsphasen und Biorhythmus und sowas gehen. Wir wollen Lieder aussuchen.

Alles sortieren und System reinbringen
Liedauswahl sortieren und System reinbringen

Und damit stehe ich auch schon mitten vor meinem Problem. Im letzten Teil dieser Reihe hatte ich es ja schon erwähnt: Nach meiner „Ideenfindungsphase“ habe ich so viele Lieder in meiner Liste, dass ich davon ohne Probleme mehrere Konzerte machen könnte. (Auch mal eine Idee: Eine Konzertreihe zu einem Thema …)

Zum Konzert „Heimat“, das ich gerade plane, standen in der Ideensammlung gut 50 Stücke. Nun könnte ich mich natürlich daran machen und mir einfach die besten 15 raussuchen. Ich bin aber von Hause aus ein komplizierter Mensch und der Weg, den ich Ihnen jetzt beschreibe, birgt auch Vorteile, wie Sie hoffentlich gleich sehen werden.

Strukturierte Liedauswahl mit Excel

Ich öffne eine neue Excel-Tabelle. Ich weiß, ich weiß: „Excel ist kein Schreibprogramm“. Wie oft habe ich mich selbst diesen Satz zu meinen Auszubildenden sagen hören. Aber für das, was ich vorhabe, ist es ganz nützlich und da mir das Layout egal ist, nutze ich es jetzt mal. Es gibt übrigens auch kostenlose Programme mit nahezu demselben Funktionsumfang.

Priorität

Ich schreibe alle Liedideen in diese Tabelle. Jedes Lied bekommt eine eigene Zeile. (Hätte ich natürlich vorher schon verraten können: Ich sammle die Ideen schon in einer Excel-Liste, damit erspare ich mir jetzt das Abtippen …)

Und nun kommt der nächste Schritt: In eine zusätzliche Spalte schreibe ich eine Priorität. Also: Wie wichtig ist dieses Lied für mein Konzert? Kann die Konzertidee ohne das Stück überhaupt funktionieren (Priorität 1)? Ich nutze meistens Ziffern von eins bis vier. Wenn Sie feststellen sollten, dass 80% Ihrer Liedideen in Priorität 1 landen, sollten Sie das entweder noch mal hinterfragen oder aber eine Skala von 1 bis 10 verwenden. Wir wollen uns ja schließlich eine Auswahl ermöglichen.

Konzertplanung in Excel Bild 1

Vorbereitungsaufwand

Als nächstes wieder auf einer Skala von 1 bis 4: Wie viel Aufwand werde ich haben, bevor ich das Lied proben kann? Habe ich das schon mal mit einem Chor gemacht und die Noten sind vorhanden (1) oder muss ich Noten bestellen und mir neu erarbeiten (2)? Oder muss ich gar einen Chorsatz schreiben, weil es keinen zu finden gibt (4)? Die Ziffern geben Richtwerte. Hier zählt mein Gespür für die Musik. Es gibt zum Beispiel Stücke ohne Chorsatz, das Stück ist aber so leicht und eingängig, dass ich es in dreißig Minuten gesetzt habe. Dann wäre das eher eine zwei.

Konzertplanung in Excel Bild 3

Probenaufwand

Und es kommt noch eine dritte Kategorisierung: Ich möchte wissen, wie aufwändig es ist, ein Stück zu proben.
Auch hier vergebe ich Noten von 1 bis 4. Natürlich kann man das nicht in Stunden und Minuten ausdrücken, aber wenn ich an meinen Chor denke und mir den Chorsatz vor Augen führe, habe ich zumindest eine grobe Vorstellung, ob das ein Selbstläufer wird oder eher zäh wie Kaugummi. Wenn ich vorhabe, selbst einen Satz zu schreiben, kann ich ja hier schon mal abstecken, ob der eher einfach werden soll oder ich noch ein paar „Fiesigkeiten“ einbauen möchte.

Konzertplanung in Excel Bild 3

Und jetzt kommt der nächste Schritt, der stark von der Kategorisierung abhängt, die wir gerade gemacht haben. Und der Grund, warum ich das so gerne in Excel mache: Excel hat eine Sortierfunktion. In meiner Liste stehen immer noch um die 50 Lieder. Als erstes sortiere ich die Spalte A nach Werten aufsteigend.

Konzertplanung in Excel Bild 4

Nun stehen die wichtigsten schon mal oben.

Konzertplanung in Excel Bild 5

Und jetzt wieder individuell:

  • Wie viele haben denn die Priorität 1, müssen also unbedingt ins Konzert?
  • Oder kann ich auch noch „Prio-2-Lieder“ dazu nehmen?

Dann könnte ich die Stücke aus 3 und 4 ja schon mal streichen. Als Nächstes würde ich jetzt in der Priorität 1 weiter sortieren: nach Vorbereitung und Probenaufwand. All das kann man mit der Sortier- und mit der Filterfunktion in Excel besonders einfach bewerkstelligen. Google weiß auch, wie das genau geht 😉

Ich suche also mit meinem kompliziert anmutenden Zahlensystem z.B. zunächst die Lieder, die

  • ich unbedingt im Konzert haben möchte,
  • einen relativ hohen Probenaufwand haben und
  • keiner oder möglichst wenig Vorbereitung bedürfen.

Das sind die Stücke, mit denen ich anfangen möchte. Dafür geht am meisten Zeit drauf, aber ich muss nichts vorbereiten – kann also in der nächsten Chorprobe damit anfangen.

Parallel suche ich schon mal nach Stücken, die

  • ich unbedingt im Konzert haben möchte und
  • viel Vorbereitung brauchen.

Dann weiß ich schon, was ich in den nächsten paar Wochen nach Feierabend zu tun haben werde und kann die Stücke, sobald ich sie fertig habe, mit in die Chorprobe nehmen.

Warum jetzt alles so kompliziert?

Zum einen sorgen solche Systematiken dafür, dass man auch bei großen Datenmengen einen guten Überblick behalten kann.
Und fünfzig Stücke für eine Konzertidee sind bei mir keine Seltenheit. Wenn ich nur mit Notenstapeln arbeiten würde, käme ich schnell durcheinander.

Konzertplanung Notenstapel
Stapelweise Papier bietet nur wenig Überblick

Und: So eine Excel-Liste kann man auch schnell ausdrucken und mit zur Vorstandssitzung nehmen. Und daraus später das Programmheft basteln. Ich tippe den Namen eines Stückes nur ein einziges Mal.

Zweitens muss ich mich bei einem solchen System sehr ausführlich mit meinen Stücken beschäftigen. Das heißt, ich habe wieder einen besseren Überblick.

Drittens ist es auch in der weiteren Konzertvorbereitung gut, eine solche „Arbeitsliste“ zu haben. Merke ich zum Beispiel, dass die Motivation im Chor sinkt, weil ich ja gerade nur die arbeitsintensivsten Stücke probe, suche ich für meine nächste Probe doch mal fix ein Stück mit dem Zahlencode 1-1-1 – Also: wichtig fürs Konzert, keine Vorbereitung und mit dem Chor einfach zu machen. Das kann ja dann trotzdem ein tolles Stück sein, an dem Sänger und später das Publikum viel Spaß haben werden.

Im nächsten Teil geht es dann um den Konzertrahmen. Und endlich werden auch weitere Leute eingebunden. Ich mache auch nicht alles alleine …

Bilder: pixabay.de

Christoph Tiemann
Christoph Tiemann

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

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