Des Chores neue Kleider

Artikelbild Chorkleidung

Ein befreundeter Chorleiter hat mal zu mir gesagt: „Christoph, wenn du keinen Bock auf Chorprobe hast, sag einfach, dir sei zu Ohren gekommen, dass einige Mitglieder des Chores mit der Chorkleidung nicht einverstanden seien. Mit der darauf folgenden Diskussion ist die Probe garantiert gelaufen …“

Ich mag es, wenn Themen spitz formuliert auf den Punkt gebracht werden. Kaum ein anderes Thema wird im Chor so kontrovers diskutiert, wie die Frage nach dem richtigen Outfit. Ich möchte hier gerne ein paar aus meiner Sicht sinnvolle Anregungen geben.

Ich weiß, dass auch andere Meinungen existieren. „Versteh’ ich – akzeptier’ ich – find’ ich trotzdem scheiße.“

Uniform ist gut!

Wenn wir als Chor auftreten, sollten wir auch als ein solcher erkennbar sein. Sowohl auf der Bühne, als auch an der Theke. Wenn wir also einen Auftritt haben, tragen wir alle das gleiche. Was das ist, spielt hier noch keine Rolle.

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Warum denn immer nur eine Möglichkeit?

In meinen Chören gibt es mehrere Möglichkeiten. Das „klassische“ Schwarz-weiß ist für den Auftritt beim Weihnachtskonzert mit Sicherheit angebracht. Aber beim Sommer-Open-Air zum Dorffest? Denken Sie auch mal über eine „luftigere“ Variante nach.
Bedruckte Poloshirts sind nicht so teuer. Einer meiner Chöre war vor kurzem zum 40. Geburtstag eingeladen. Wir trugen alle unser neues schwarzes Poloshirt mit dem kleinen Vereinslogo auf der Brust und einem großen auf dem Rücken – beide in knalligem Rot. Es gibt fast kein Foto von dieser Veranstaltung, auf dem nicht mindestens eins dieser Poloshirts zu sehen ist. Tolle Reklame! Auch farblich kann man immer mal anders kombinieren: Weißes Oberteil zu blauer Jeans, schwarzes Oberteil zu blauer Jeans. Weiß oder schwarz zur schwarzen Stoffhose. Volle Montur mit Krawatte oder Schal. Oder auch ohne. Poloshirt mit blauer Jeans.
So viele Möglichkeiten mit wenigen kleinen Änderungen.

Bunter Männerchor
Schön oder grenzwertig? Alles Geschmackssache

Keine „Uniformjacken“

Gut, auch das ist meine persönliche Meinung. Gerade in den Männerchören finde ich sie immer wieder: Die „Busfahreruniformen“ mit dem „Wappenteller“ auf der Brust.
Ich hasse sie – neben den subjektiven optischen aus drei Gründen:

  • Einmal nehmen die Dinger unheimlich viel Platz im Schrank weg (und an ca. 360 Tagen im Jahr hängen die im Schrank, gleich neben der Uniform vom Schützenverein).
  • Zweitens ist die Verwaltung recht aufwändig: Ein Sänger stirbt, seine Jacke kommt zurück. Irgendjemand muss die lagern. Ein neuer Sänger kommt, im „Pool“ ist die passende Größe nicht verfügbar. Also muss eine neue angefertigt werden. Das kostet eine Menge Geld (und ich möchte den neuen Sänger doch nicht gleich mit einem „Eigenanteil“ wieder vergraulen).
  • Drittens unterstreichen diese Uniformen genau das „verstaubte“ Bild des Chores, das ich mühsam zu erneuern versuche. 35 Herren in Uniform in drei Reihen, die Fahne daneben auf dem Foto. Mache ich ein Schwarzweißbild daraus, lässt sich nur schwer erkennen, ob das Bild aus dem Jahr 1890, 1950 oder 2016 stammt.

Die Logistikprobleme gibt es übrigens mit den bei Gospelchören sehr beliebten und oft geforderten „Roben“ genauso.

Chor in Uniform
Nicht uninformiert, sondern uniformiert.

Keine Stickereien

Momentan sind bestickte Hemdkragen voll in Mode. Aber auch diese haben wieder Nachteile: Ein besticktes Hemd kann ich nur für diesen einen Chor anziehen. Wenn ein neuer Sänger kommt, muss das erst wieder bestellt werden. (Von den Poloshirts haben wir immer ein paar „am Lager“, da hier die Größenvielfalt nicht so ausgeprägt ist – ich denke bei Oberhemden nur an slim fit, regular fit, comfort fit, extra langer Arm und Co.)

Keine ausgefallenen Farben

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Vor acht Jahren übernahm ich meinen ersten Männerchor. Dieser hatte sich ein paar Jahre vorher zum Chorfest neu einkleiden lassen.
„Busfahreruniform“ mit fliederfarbenem Hemd und dazu eine Notenschlüsselkrawatte. Der erste Auftritt nahte und ich brauchte auch noch eine Ausstattung. Eine Uniformjacke (in einem absolut schicken Weinrot) gab es noch. Sie passte nicht hundertprozentig, aber es musste gehn. „Hemd kaufste dir am besten selbst.“ Ich ließ mir also von einem Sänger sein Hemd als Muster mitgeben und marschierte zum Herrenausstatter.
Der Verkäufer konnte sich an den Chor sehr gut erinnern. Er zeigte mir auf seiner Musterkarte die Farbe, die das Hemd hätte, wenn ich es neu bestellen würde. Da fiel mir auf WIE verwaschen mein Muster war. Und da einige Sänger regelmäßiger da sind als andere, waschen die sich eben auch noch unterschiedlich stark aus. Ich kaufte mir damals ein graues Hemd, das passte noch am Besten.

Hemd und Hose

Meine erste Amtshandlung auf der folgenden Generalversammlung: Ab sofort nur noch weißes Hemd. Ein schlichtes weißes Hemd hat jeder, ein weißes Hemd kann man jederzeit nachkaufen und ein weißes Hemd kann man auch zu anderen Anlässen anziehen. So einfach ist das. Mit einem schwarzen Anzug verhält es sich genauso. Inzwischen ist die „gute Ausgehuniform“ in diesem Chor: Schwarzer Anzug, weißes Hemd, neue (kreischend türkisfarbene) Krawatte mit eingesticktem (neuem) Vereinslogo. Die Krawatte bringt hier den Farbtupfer. Demnächst werden wir mal ein schwarzes Hemd dazu probieren.

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Accessoires

Im Moment ist es gerade bei jüngeren Chören modern, die komplett schwarze Kleidung mit z.B. roten Accessoires „aufzupimpen“. Jeder macht irgendwas (Schleife im Haar, Schuhe, Brosche, Armband, Krawatte), die einzige Vorgabe: Es muss rot sein. Finde ich gut.

Nicht gut finde ich es hingegen, wenn man sich auf ein einheitliches schlichtes Erscheinungsbild geeinigt hat und die einzelnen (in diesem Fall vornehmlich Frauen) Sängerinnen sich dann gegenseitig mit größeren oder funkelnderen Broschen zu überbieten versuchen.

Fazit

Egal, was der Chor macht. Es sollte nur entweder gut lagerbar (Krawatten, Schals etc. auf Vorrat kaufen) oder bei (fast) allen sowieso vorhanden oder aber jederzeit zu bekommen sein. Und ich möchte ehrlich (und ein bisschen selbstkritisch) sein: So manch eine Figur wird auch durch eine „Gospelrobe“ nicht vorteilhafter. Egal, wie Sie sich entscheiden: Alle werden Sie sowieso nicht glücklich machen. Machen Sie sich das im Vorfeld klar.
Und: Beraten Sie dieses Thema nie in einer Chorprobe – es sei denn der Chorleiter hat gerade keine Lust …

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

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2 Kommentare zu Des Chores neue Kleider

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