Was kostet ein Chorleiter? – Teil 2

Was kostet ein Chorleiter? Teil 2

Im ersten Teil dieses Artikels hatte ich beleuchtet, was ein Chorleiter außer der Präsenz bei Proben und Auftritten noch alles so leistet bzw. wo ihm noch Kosten entstehen, die ohne die Tätigkeit nicht anfallen würden. Heute soll es darum gehen, wie ich aus dem Ganzen einen Preis zubereite, bei dem ich niemanden über den Tisch ziehe, am Ende aber auch nicht drauflege.

Sollten Sie zu diesem Artikel gelangt sein, ohne den ersten Teil zu kennen: hier geht’s zum Anfang der Artikelreihe.

Zunächst die Abrechnungsweise: Hier gibt es zwei Konzepte:

1. Zahlung eines eines fixen Honorars

Also monatlich einer festgelegten Summe. Diese ist gleichbleibend – diesbezüglich also vergleichbar mit einem Gehalt.

2. Zahlung eines variablen Honorars

Also die Abrechnung nach Zeitaufwand oder erbrachter Leistung.

Mein Favorit: Zahlung eines variablen Honorars

Ich persönlich favorisiere die zweite Lösung. Ich möchte mir von einem Chor nicht vorrechnen lassen, wie viele Chorproben aufgrund von Urlaub, Krankheit etc. ausgefallen sind („haben wir alles mitbezahlt“).
Andererseits möchte ich bei größerem Arbeitsaufwand (z.B. mehr und aufwändigere Proben vor Konzerten) diese Mehrleistung honoriert wissen. Ich finde das für beide Seiten gerechter. Bezahlt wird nur, was geleistet wurde.
Die Sache hat natürlich auch Nachteile. Bin ich krank, kriege ich nichts. Hat der Chor vier Wochen Sommerpause, kriege ich nichts (und das ist bei fünf Chören schon eine ganze Menge, das ich nicht kriege…).
Ich muss monatlich Rechnungen schreiben, das bedeutet schon wieder Aufwand. Und das Ganze ist zwar gerecht, aber keinesfalls berechenbar. Der Chor kann am Jahresanfang nicht sagen, was in 2017 für Chorleiterkosten entstehen werden. Und auch ich kann nicht sicher sagen, ob ich mir das neue Auto schon bestellen kann.

Das ist aber, denke ich, auch von der Anzahl der Chöre abhängig. Wenn ich einen Chor leite, ist es vielleicht für beide Seiten einfacher, monatlich das Fixum zu zahlen. Bei mir gleichen sich schwankende Einkünfte ganz gut aus.

Und JEDER Selbstständige muss in guten Zeiten was zurücklegen, warum sollte das bei Chorleitern anders sein?

Abendessen eines Chorleiters
Für die Tränendrüsen: Typisches Abendessen eines Chorleiters

Aufstellung der Kosten und Stunden

Aber nun zum Preis. Hier zählen an dieser Stelle keine Gefühle, keine Sympathien. Ich brauche Zahlen. Und Excel. Sonst wird das nichts.

Also: Als erstes brauche ich alle angefallenen Kosten und Stunden. Am besten die eines kompletten Jahres. Ich erläutere das anhand der Liste aus dem ersten Teil:

1. Durchführung der Chorprobe

Wie viele Stunden habe ich mit diesem Chor in einem Jahr geprobt?

2. Vorbereitung der Chorprobe

Wie viele Stunden habe ich in die Vorbereitung der Proben gesteckt?

3. Vorbereitung der einzelnen zu singenden Stücke

Wieviel Zeit kostete das Vorbereiten der Stücke?

4. Stückauswahl

Wie viele Stunden gingen für die Stückauswahl drauf?

5. Konzertprogramme erstellen

Wie viel Zeit habe ich mit der Vorbereitung eines Konzertes verbracht?

6. Sitzungen

An wie vielen Sitzungen habe ich teilgenommen? Wie lange?17

7. Noten setzen

Habe ich Chorsätze geschrieben? Wie lange hat das gedauert?

8. Fortbildung

An wie vielen Fortbildungen habe ich teilgenommen? Zeit? Reisekosten? Verpflegung? Teilnehmergebühren?

9. Neue Noten finden

Für wie viel Geld habe ich in einem Jahr Noten gekauft?

10. Sonstige Gemeinkosten

Zusammenfassung aller Kosten, die den Chor betreffen: Porto, Instrumente, Technik, etc.

11. (Nicht) zuletzt muss ich dann und wann auch einfach mal üben.

Wie lange habe ich geübt?

Alles zum Honorar des Chorleiters zusammenführen – gar nicht so einfach

Vieles können Sie sicherlich gar nicht so ohne weiteres beantworten. Wenn ich die Kosten noch eventuell anhand von Rechnungen zusammen bekomme, aber der Zeitaufwand? Das sollten Sie aber zumindest abschätzen. Je genauer Ihre Zahlen, desto belastbarer ist auch das Ergebnis. Führen Sie mal Tagebuch. Oft glaubt man gar nicht, wie viel Zeit man in einen Chor investiert.

Manche Zeiten/Kosten kann ich nun einem bestimmten Chor zuordnen. Die Zeiten der Proben etwa. Bei Fortbildungen sieht das schon wieder anders aus. Hier haben vielleicht alle meine Chöre einen Vorteil.
Bei Instrumenten muss man sich immer die Frage stellen, wie viel davon wirklich für den Chor ist und ob ich das nicht auch „privat“ nutze (Hilfe, ich klinge schon wie mein Finanzamt! Bei denen heißt das Zauberwort „Liebhaberei“). Ich muss also anteilig berechnen und hier und da auch schätzen.

Am Ende sollten für jeden Chor zwei Zahlen rauskommen: aufgewendete Stunden und entstandene Kosten.
Hier ein Beispiel mit ausgedachten (aber vermutlich nicht ganz unrealistischen) Zahlen:

Chorleiter Preiskalkulation
Eine Beispieltabelle für die Kalkulation

Und jetzt wird es mathematisch: Ich kann 92 Stunden berechnen und möchte 200 Stunden bezahlt haben, sagen wir mit 15,00 €. Wie geht das?

200 h x 15,00 € / 92 h = 32,61 € je Stunde

Alternativ (bei monatlicher Abrechnung): 200 h x 15,00 € / 12 Monate = 250,00 € pro Monat

Wenn ich jetzt die entstandenen Kosten noch mitrechnen möchte, muss ich die Rechnung erweitern:

((200 h x 15,00 €) + 1000,00 €) / 92 h = 43,48 € je Stunde

Wieder alternativ pro Monat: ((200 h x 15,00 €) + 1000,00 €) / 12 Monate = 333,34 € pro Monat

Das heißt, ich müsste für eine Proben- bzw. Auftrittsstunde 43,48€ berechnen, um meine Kosten rauszuhaben und auf 15,00 € Stundenlohn zu kommen. Macht bei einer zweistündigen Probe schon 86,96 €.

15,00 € Stundenlohn für den Chorleiter – reicht das?

Sie sehen im Beispiel: 15,00 € Stundenlohn sind nicht wirklich viel und wirkt sich schon stark auf den kalkulierten Preis aus. Das Ganze möchte auch noch versteuert werden und vielleicht möchte ich davon noch einen Teil für die Rente zurücklegen. Eine Haftpflichtversicherung? Unfallversicherung? Also rechnen Sie doch spaßeshalber auch mal mit 25,00 € oder 35,00 €…

Im nächsten Teil dieses Beitrages wird es noch darum gehen, was bei einer Abrechnung beachtet werden sollte, wie Sie mit Fahrtkosten umgehen, ob Sie das nun bei Ihrem Chor durchsetzen und dann noch einen – soweit das möglich ist – kurzen Abstecher ins Steuerrecht.

 

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

Chornoten Arrangement-Verlag

18 Kommentare zu Was kostet ein Chorleiter? – Teil 2

  1. Finde die Berechnung äußerst interessant…., wie sich der Stundenlohn eines Chorleiters berechnet.
    Ich bin der Meinung, ein Chorleiter, welcher Laienchöre leitet, sollte etwas an Idealismus mitbringen. Klar vom Idealismus kann niemand leben. Aber ein Chorleiter, der 5 bis 7 Laienchöre leitet, kann auch davon nicht leben. Und mehr Laienchöre leiten geht wahrscheinlich zeitlich nicht.
    …Und was ist mit den Vorsitzenden, die ihre Arbeit rein ehrenamtlich leisten – ohne Honorar und die vielen anderen Vereinsmitglieder, die sich ebenfalls einbringen. Ach so, die bezahlen ja noch einen Mitgliedsbeitrag – dafür, dass sie singen dürfen. Wahrscheinlich ist dem Verfasser gar nicht bewusst, welche Arbeit ein/e Vereinsvorsitzende/r leistet. Auch ein/e Vereinsvorsitzende/r nimmt an zahlreichen Sitzungen, auch übergeordnet, teil….. Hat jede Menge Fahrtkosten usw. – möchte nun nicht auch so eine Berechnung aufstellen wie der Verfasser bzgl. Stundenlohn eines/r Vorsitzenden. Ach so, der/die Vorsitzende ist ja mit dem Verein verheiratet, dem steht ja gar nix zu.
    Wenn man den Bleistift schon so spitz macht, welcher Chor könnte solche Honorare stemmen? Auch darüber sollte sich mal der Verfasser Gedanken machen. Manche Vereine haben zwei oder drei Chöre…..
    Übers Jahr verteilt, mehrere Feste, Konzerte oder sonstige Veranstaltungen durchführen, abhalten, damit genug in die Vereinskasse kommt, um den Chorleiter bezahlen zu können. Der Chorleiter beansprucht ein Honorar, aber die vielen Helfer…… Die verrichten ihre Arbeit unentgeltlich. Ach so, das ist ja selbstverständlich.
    Auch sollte sich der Verfasser im Klaren sein, dass früher ein Verein (in den Dörfern) so 100 bis 150 passive Mitgliedern hatte. Heute, …. Na ja . Auf jeden Fall nimmt die Mitgliederzahl stark ab. Und jetzt bitte nicht mit Beitragserhöhung kommen, dann laufen noch mehr Mitglieder weg.
    Also, bitte nicht ganz zu arrogant. 
    Und die Kirche einfach mal im Dorf lassen. 

    • Ja ich sehe den Beitrag auch mit sehr gemischten Gefühlen. Muss der Chor die Kosten für eine Fortbildung bezahlen? Wenn ich z.B. als Ergotherapeut eine Fortbildung mache, dann zahlen mir das die Patienten auch nicht und die Krankenkasse gleich zweimal nicht. Genau so sehe ich das mit der Zeit, die für das Üben drauf geht. Übrigens auch SängerInnen besuchen hin und wieder Fortbildungen und zahlen diese anstandslos aus der eigenen Tasche – und sie können Sie nicht als Geschäftsausgabe abrechnen. Also kurz gesagt, ich finde die Verträge mit einem Festpereis wirklich besser, weil es auch für den Chor besser zu kalkulieren ist und nicht regelmäßige Proben oder Konzerte kann man ja eventuell zusätzlich berechnen. Und was Konzertplanung oder -vorbereitung betrifft, da kommt es wohl immer auch auf die Struktur des Vereins an. Wenn das der Dirigent alles selbst macht, dann ist das für mich eher unverständlich…

      • Aus meiner eigenen Berufspraxis als Musiker (der unter anderem selbst mehrere Chöre leitet) halte ich es für sinnvoller, Haupt- und Nebenleistungen selbst zu ermitteln und daraus einen für alle Parteien kalkulierbaren Festbetrag abzuleiten, der natürlich auf das Leistungsvermögen des Vereins zugeschnitten ist. Zum Gegenwert, den der Verein für sein Honorar erhält, gehören auch Leistungen, die über die Chorleitertätigkeit hinausgehen und die sonst extra bezahlt werden müssten. Beispiele dazu sind befreundete Gastsolisten, deren Begleitung ich am Flügel selbst übernehme, dann leite ich meinen Verein selbst vom Instrument aus, ein engagierter Gastchor wird von mir begleitet und muss keinen zusätzlichen Pianisten mitbringen, aus befreundeten und/oder ebenfalls von mir geleiteten Chören werden Projektchöre gebildet, bei Programmteilen mit Einbeziehung des Publikums und „Offenem Singen“ übernehme ich die Koordination… – unzählige Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten, die ich meinen Vereinen gerne ohne detaillierte Aufrechnung zukommen lasse. Auch untereinander und voneinander profitieren die Vereine, indem sie beispielsweise neue Stücke als Multiplikatoren aufgreifen können. Auch über die Chorleitung hinausgehende Kompetenzen können für den Chor interessant sein: Solobeiträge oder kammermusikalische Einlagen der musikalischen Leiter haben schon so manches Programm abgerundet oder für Ausfälle entschädigt. Wenn einem wach im Leben stehenden Vorstandsteam bewusst ist, dass es für den Wert des Chorleiterhonorars einen viel höheren Gegenwert durch ihre kompetente und engagierte musikalische Leitung in vielfältiger Form bekommt, erleichtert das die Verhandlung über die Finanzen ungemein. Das hat mit Vertrauen auf beiden Seiten zu tun – gut ist es, dieses zu haben. Denn auch die Vereinsvorstände investieren Herzblut plus Freizeit und das mitunter nicht zu knapp. Beispielsweise, um mit vielen Aktivitäten über das Singen hinaus Geld in die Kasse zu bekommen, Auftrittsmöglichkeiten zu organisieren, Sponsoren zu gewinnen – also Einnahmen zu generieren, die vorrangig zur Bezahlung eines professionellen Dirigenten dienen. Das verdient ebenso Respekt wie der Einsatz der musikalischen Leitung; denn selbst der beste Dirigent ist ohne einen handlungsfähigen Verein ein König ohne Königreich.

        Herzliche und kollegiale Sangesgrüße von Haus zu Haus!

    • Lieber Herr Denzer,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Zur Frage, ob man von fünf Laienchören leben kann: natürlich nicht. Für mich persönlich sind diese Einnahmen aber Teil eines Gesamteinkommens, das sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt. Also von fünf Chören alleine kann ich nicht leben, ohne diese allerdings auch nicht oder zumindest nicht so ohne weiteres.
      Zu vielen anderen Dingen aus Ihrem Kommentar würde ich gerne den dritten Teil der Artikelreihe abwarten, ich denke da wird die Kernaussage noch etwas klarer.
      In einem Punkt muss ich Ihnen allerdings vehement widersprechen. Ich weiß sehr wohl, was aktive Vorstandsarbeit bedeutet, da ich selbst in mehreren Vereinen und Verbänden diese Arbeit ehrenamtlich leiste. Ich schätze das Ehrenamt, ohne dieses würde vieles gar nicht funktionieren. Aber: Darum geht es in diesem Artikel schlichterdings nicht. Das ist einen eigenen Artikel wert. Vielleicht schreiben Sie mal einen? https://www.chor-heute.de/mitmachen-bei-chor-heute-de/

    • „…Und was ist mit den Vorsitzenden, die ihre Arbeit rein ehrenamtlich leisten – ohne Honorar und die vielen anderen Vereinsmitglieder, die sich ebenfalls einbringen. Ach so, die bezahlen ja noch einen Mitgliedsbeitrag – dafür, dass sie singen dürfen.“

      Ja, genau so. Und meistens zahlen sie noch viel zu wenig. Keiner zahlt fürs Singen, jeder darf kostenlos so viel singen, wie er/sie will. Aber eine qualifizierte Leitung muss bezahlt werden, weil diese auch Essen und Trinken will, Familie finanzieren will, auch mal in Urlaub fahren will, etc. – wie jedes Chormitglied auch.
      Chorsingen und alles drumherum ist ein Hobby, das man aus Spaß an der Freude neben seinem Beruf macht und ein Hobby mit Anleitung kostet eben Geld + Geld für das dazugehörige Material (Noten!).
      Ehrenamt ist wichtig, muss auch geschätzt werden und darf und sollte übrigens auch mit einer Aufwandspauschale vergütet werden, auch wenn die Motivation in dem Fall meist ausschließlich von innen kommt, was nicht genug lobend hervorgehoben werden kann.

      Das ändert aber nichts daran, dass Chöre zu leiten in den meisten Fällen KEIN Hobby ist, sondern ein BERUF und Chorleiter haben dafür ab einer gewissen Professionalität eine Ausbildung hinter sich, die auf die Jahre (ca. 15, wenn man mit 10 angefangen hat Musik zu machen – Einzelunterricht an mehreren Instrumenten, Gruppenunterricht, Seminare, etc.) gerechnet mehr gekostet hat als jedes Medizinstudium.
      Trotzdem wird ein studierter Chorleiter wesentlich schlechter bezahlt als jeder Klempner, der das 3 Jahre lang gelernt hat (Einfach mal auf den Preis der Arbeitsstunde bei der nächsten Abrechnung schauen). Und das soll gerecht sein?

      „Wenn man den Bleistift schon so spitz macht, welcher Chor könnte solche Honorare stemmen?“

      Es ist letztlich auch eine Frage der Priorität. Jeder Chor, der ordentlich aufgestellt ist, kann sich einen Chorleiter leisten, der einigermaßen fair ab 500 Euro im Monat aufwärts bekommt (Die Stundenzahlen im obigen Beispiel sind auch noch sehr freundlich gehalten. Eine sorgfältige Probenkonzeption dauert z.B. mindestens 2 Stunden) – Künstlersozialabgabe kommt ggbf. oben drauf.
      Die meisten Leute, die im Chor singen sind Angestellte, Beamte, etc. – da verdient niemand so schlecht, als dass er sich nicht mal 20-40 € im Monat (Plus LEGAL gekaufte Noten) für den Chor leisten könnte – wenn er*sie denn will. Und wenn doch, kann man immer noch Ausnahmen machen. Tennisverein, Fitnessstudio, etc. kostet auch alles nicht weniger.
      Aber jeder Chor bekommt eben auch den Chorleiter, den er sich leistet. Man kann halt nicht bei Aldi kaufen und gleichzeitig höchste Qualität erwarten.

      Wünsche einen schönen Tag.

    • Das hat nichts mit „arrogant zu tun“.
      Der Chorleiter lebt von seiner Arbeit.
      Wenn dem Chor Mitglieder abhanden kommen, dann nur, weil Vorstände nicht in der Lage sind ihrem Chor zu vermitteln, wie aufwändig und zeitintensiv Chorleitertätigkeiten sind.
      „Jeder Chor hat das verdient, was vor ihm steht“.
      Dem ist nichts hinzuzufügen

  2. „Die Kunst, die Kunst, sie ist eine Gunst, von Göttern gegeben UMSONST!!!!!“
    Man muss zwischen Ehrenamt und Beruf ganz klar unterscheiden. Ein Chorleiter lebt davon seinen Chor zu präsentieren und das mit sehr großem Aufwand und Leidenschaft. Ich finde die Aufstellung des Kollegen sehr Aufschlussreich und an der untersten Grenze dessen was ein Chorleiter verdienen sollte. Wer arbeitet in einem erlernten Beruf für 15 Euro die Stunde? Betrachten Sie bitte mal die Preise im Handwerk. Ein Chorleiter kostet nun mal, und er arbeitet für die Menschen, denen er Freude am Gesang vermittelt und den Chor nach aussen präsentiert. Ich schätze das Ehrenamt sehr und wertschätze die Arbeit jeder Sängerin und Sänger in meinen Chören sehr. Doch muss man zwischen Hobby und Beruf eine klare Grenze ziehen. Zum Abschluss sollten die Kritiker des Chorleterhonorars vergleiche zu anderen Hobbys ansehen. Was kostet eine Mitgliedschaft in Sportvereinen, Sportstudio etc.
    Und… Chorleitung ist viel viel mehr als die wöchentliche Probe. Es ist pure Leidenschaft und Passion für den Gesang und für die tollen Menschen mit denen man UND FÜR DIE DER CHORLEITER ARBEITET.

  3. Wer eine qualifizierte Chorleitung haben möchte, sollte auch bereit sein dafür zu bezahlen. Gute Handwerkskunst kostet Geld. Aber man darf auch nicht übertreiben. Die oben aufgestellte Preiskalkulation finde ich schon sehr gewagt.
    Fortbildungskosten gehen nur mich etwas an, ebenso auch die Ausstattung meines Büros. Ich habe es noch nicht erlebt, dass einer meiner Chöre mir vorschrieb wie mein Büro ausgestattet sein soll, oder welchen Kurs ich belegen muss. Wenn ein Dirigent jede Kleinigkeit in Rechnung stellt, darf er sich nicht wundern wenn die Chöre etwas vorsichtiger werden. Ein variables Honorar ist für beide Seiten bedenklich. Zum einen muss ich als Dirigentin wissen was monatlich eingeht, da ich ja auch Kosten habe, zum anderen muss der Chor wissen welche Ausgaben über das Jahr anfallen. Ich als Chorleiterin (und ich lebe davon) möchte auch nicht jeden Monat eine Auseinandersetzung über die Zusammenstellung meiner Rechnung führen, und diese würde es mit Sicherheit geben. Darunter leidet meines Erachtens die musikalische Qualität, und meine Freude an der Chorarbeit.
    Wichtig für einen Chor, wie deren Dirigent ist, dass beide Seiten ein festes Honorar aushandeln. Was dafür geleistet wird, welche Rechte und Pflichten beide Parteien haben wird in einem Vertrag niedergeschrieben.
    In meinen Verträgen steht alles drin was mir, und dem Chor wichtig ist.
    Falls ich auch mal nicht auf meine Stundenzahl komme, wird mir nichts abgezogen, weil der Chor weiß, dass ich auch viele Dinge für den Chor mache, die ich nicht in Rechnung stelle.
    Es sollte ein gesundes „Geben und Nehmen – Verhältnis“ sein. Das erreicht man dadurch, dass man offen und ehrlich miteinander umgeht.
    Was außer Frage steht, dass, wie oben schon erwähnt, zur Chorleitung im Laienchor eine gute Portion Idealismus gehört. Man muss sich als Dirigent im Klaren darüber sein, dass man in der Chorarbeit nicht soviel Geld verdient wie in der Industrie, oder sonst wo, dafür macht es aber viel mehr Spaß (ich weiß wovon ich rede).
    Man darf sich als Dirigent auch nicht unter Wert verkaufen. Wenn ein Chor von der Qualität des Chorleiter überzeugt ist, und weiß dass der Dirigent in seinen Forderungen nicht über das Ziel hinausschießt, sind die Chöre auch bereit ein bisschen mehr zu bezahlen. das ist meine Erfahrung.

  4. Die Artikelreihe ist sehr begrüßenswert. Nicht wegen der Kalkulation, denn die sieht immer anders aus. Sie ist begrüßenswert, weil sie mal in einem konkreten Fall aufzeigt, welche Arbeit ein Chorleiter in einen Chor tatsächlich investiert. Arbeit, die kein Chormitglied je zu sehen bekommt. Arbeit, die niemand im Publikum auch nur erahnen könnte. Arbeit, die viel mehr Zeit verschlingt als jede Chorprobe. Arbeit, die bezahlt werden muss, möchte man sie tun, denn wird sie nicht bezahlt, kann ein Chorleiter unmöglich die Zeit dafür aufbringen.

    Die Bezahlung selbst ist dann so eine Sache. Sind 15€ pro Stunde gerecht? Natürlich nicht! Eigentlich kann ich als freiberuflicher Musiker nicht davon leben. Zu viele Abzüge stehen dem im Weg. Selbst Chorleiter, die viele Chöre haben, um überhaupt Miete zahlen zu können, stellen früher oder später fest, dass es einfach nicht reicht. Also wird Arbeit eingespart, denn die Zeit braucht man schließlich, um anderweitig Geld zu verdienen. Das geschieht meistens in der Form, dass verschiedene Chöre eines Chorleiters das gleiche Programm singen. So lassen sich Vorbereitungszeiten und Zeiten für Recherche etc. schon einmal gewaltig drücken. Ist das gut? Schränkt das nicht die Vielfalt der Chorlandschaft ein? Natürlich! Ebenso ist es mit der Probenanzahl. Soll es vor dem Konzert noch eine dringende Sonderprobe, möglichst über mehrere Stunden an einem Samstag, geben? Nein, auch die wird gestrichen, denn die Stunden bezahlt ja niemand. So geht es dann munter weiter bis die Qualität irgendwann darunter leidet.

    Im Gegenzug fehlen den Chören die Einnahmen. Ggf. zahlende oder spendende Mitglieder fehlen. Bei Konzerten fehlen die Zuschauer, so dass auch hier Spenden oder Einnahmen durch Konzertkarten verloren gehen. Gemeindechöre leiden unter den knappen Kassen der Kirchengemeinden.

    Möchte man heute einen Chor leiten, muss man also genau überlegen, was man leisten kann und will. Und das gilt für beide Seiten, den Chor wie den Chorleiter. Wie viel Ehrenamt darf darüber hinaus in einem Chor stecken, welches nicht bezahlt wird? Welche Unterstützung können die Chormitglieder bieten (meistens nicht viel).

    Das Problem ist wie so oft, dass Kunst zwar jeder möchte, diese aber möglichst immer umsonst sein soll. Kultur darf nichts kosten und wir schaffen sie mehr und mehr ab. Die Übungsleiterpauschale ist dermaßen gering, dass vernünftige Chorleitung zu diesen Honoraren nicht möglich ist. Davon abgesehen ist sie nur für ehrenamtlich arbeitende Kräfte vorgesehen, ein hauptberuflicher Musiker/Dirigent/Chorleiter darf sie nicht in Anspruch nehmen. Kosten für KSK/Renten-/Krankenversicherung etc. explodieren und müssen auch noch vom Honorar bezahlt werden. Das ist kaum möglich. Dann noch die Steuern.

    Kunst, Musik und Kultur allgemein brauchen dringend eine starke Lobby. Statt der Industrie, die lauthals die Abschaffung der KSK fordert, sollten vielmehr diejenigen, die dafür sorgen, dass der Mensch nach Feierabend und am Wochenende Kultur genießen darf, unterstützt und auch subventioniert werden, z. B. in der Form, dass Einnahmen, die aus einer Tätigkeit stammen, die der Allgemeinheit zugute kommt (z. B. Chorarbeit), steuerlich anders behandelt werden als andere Einnahmen. In der Form, dass die Zeiten, zu denen ich zwar arbeite, aber dafür kein Geld bekomme, dennoch rentensteigernd wirksam werden. Eine Kultursteuer ab bestimmten Kartenpreisen wäre ebenfalls denkbar. Z. B. 1 Prozent vom Verkaufspreis. Bei den vielen Großkonzerten mit tausenden Besuchern und Kartenpreisen weit über 100€ würde das ein hübsches Sümmchen pro Konzert in die Kasse spülen, welches dann wieder den Kulturschaffenden, z. B. für die Rente, zur Verfügung gestellt werden könnte. Weiter könnte man über einfachere Maßnahmen die Musiker unterstützen, indem z. B. die AfA-Tabelle überarbeitet wird und Abschreibungszeiträume für Musikinstrumente und Tontechnik verkürzt werden. So wird die Steuerlast gesenkt und ein geringeres Musiker-Einkommen unterstützt und im Prinzip von der Allgemeinheit, also von der Gemeinschaft der Kulturnutznießer finanziert. Und so weiter und so weiter……

  5. Ich finde die Meinungen gehen doch ganz schön in eine Richtung der nicht Schätzung. Ein Dipl.-Ing. hat Anspruch auf einen Stunfenlohn von 150,00€ pro Stunde Netto.
    Ein/e Chorleiter/in bekommt einen finanziellen Ausgleich für das was er an Wissen in die Waagschale wift um sein Wissen gegenüber der Schüler anzuwenden und zu vermitteln.
    Ein/e Chorleiter/in ist ein/e Lehrer/in im weiteren Sinn und hat dafür sich über Jahre Wissen angeeignet. Vielleicht mal darüber nachdenken.
    Das Honorar von 35,00 € pro Einheit (50 Minuten) sind keine Wertschätzung.
    Im übrigen nur wer sich selber schätz, weis andere zu Schätzen.

  6. Ich sehe, daß hier doch überwiegend eine anständige Wertschätzung zugrunde gelegt wird. Wenn man beispielsweise eine Rechnung in einer Autowerkstatt (übrigens müssen Chorleiter auch mit Autos fahren, ÖPNV ist unpraktisch) bezahlen muß, dann wird dort für die Arbeit eines Lehrlings die Meisterstunde berechnet. Diese wird selten unter 70,-€ berechnet. Ich möchte hier nicht überheblich erscheinen, jedoch glaube ich, daß die Ausbildung eines Berufschorleiters, bzw. -musikers eine etwas andere Qualität, Dauer, Intensität und nicht zuletzt Entbehrungen beinhaltet, als die eines Automechanikers – PUNKT – Die Kritiker in diesem Forum sollten einmal darüber nachdenken, für welchen ‚Mist‘ an allen Ecken ein Haufen Geld ausgegeben wird. Da erscheint mir die Geringschätzung einer fundierten musikalischen Ausbildung als bodenlose Unverschämtheit. Wenn ich dann noch die Megageschäfte in den Medien
    sehe, bei denen Leute zu „Deutschen Superstars“ ausgerufen werden, die ihren eigenen Namen nicht schreiben können (incl. der dies beurteilenden Gilde), geschweigedenn Noten lesen können, dann schnürt mir das die Luft ab.
    Ach du gute Kultur, ruhe in Frieden nur !

  7. „Wer arbeitet in einem erlernten Beruf für 15 Euro die Stunde?“
    „Rechnung in einer Autowerkstatt . . . wird selten unter 70,-€ berechnet“

    Jede menge Leute arbeiten für nur 8,84€ Mindestlohn. Dazu gehören auch Handwerker oder Automechaniker!

    Im übrigen finde ich die Kalkulation des Verfassers dieses Beitrages absolut fair.

  8. Ich arbeite im Vorstand eines Chores mit. Natürlich kostet mich das (Frei-)Zeit, aber ich mache das freiwillig und auch freiwillig unentgeltlich. Die Proben sind für mich Hobby. Und nur sehr wenige Hobbies kosten kein Geld.
    Für meinen Chorleiter sieht das jedoch anders aus. Es ist für ihn Gelderwerb. Und gute Arbeit muss angemessen bezahlt werden.
    Wir haben eine Lösung aus einem monatlichen Festbetrag und einem vereinbarten Stundensatz für zusätzlichen Leistungen gefunden. Mit der monatlichen Pauschale ist alles abgegolten, was die wöchentlichen Proben betrifft, sowie die Teilnahme an einer Vorstandssitzung pro Jahr. Nach Stundensatz werden z.B. zusätzliche Proben und Konzerte honoriert. Finden diese nicht statt, wird die Chorkasse auch nicht belastet. So hat der Chor nicht das Gefühl, für Leistungen zu zahlen, die er nicht erhält. Und der Chorleiter kann mit einem festen monatlichen Betrag rechnen.
    Bleibt natürlich immer noch die Frage, wie man die Höhe der Pauschale / des Honorars ermittelt. Dazu fand ich den Artikel schon sehr informativ, denn mir war nicht klar, welchen zeitlichen und ggf. finanziellen Aufwand ein Chorleiter neben der Probenzeit hat.

  9. Hallo an alle,
    ich kann, als langjähriger Chorleiter vielleicht zur Diskussion beitragen. Ich leite momentan 2 Chöre, hatte letztes Jahr einen Projektchor und davor über die Jahre noch 3 weitere Chöre. Ich mache die Kalkulation wie von Ch. Tiemann veranschaulicht. Allerdings verlange ich weit mehr. Mein Stundenansatz ist 45 Euro pro Stunde und grössere Konzerte verrechne ich als Pauschalen (z.B. 2 Konzerte mit dem Projektchor – inkl. HP, GP, Orchesterprobe und Konzerte) für 1200 Euro. Alle Chöre haben bis jetzt meine Gagen anstandslos bezahlt obwohl es alles Laienchöre sind. Warum? Ich mache dies als Beruf. Ich habe einen Masterabschluss und bin Profi. Für die Vorstände in den Chören ist dies Hobby und soziales Engagement (wie ich mich gratis in einem anderen Verein der Kriegsbetroffene in der Ukraine unterstütz engagiere). Nein von 2 Chören kann ich trotzdem nicht leben denn, es ergibt nur ca. 8000 Euro im Jahr. Aber es deckt meinen Aufwand angemessen. Wer 15 Euro in der Stunde verrechnet kann nicht rechnen oder ist kein Profi. So einfach ist das!

  10. Halo liebe Leser,
    ich bin seit 20 Jahren Chorleiter. Schreibe Notensätze und Programme, bin auf jeder Probe und zu jedem Auftritt zugegen.
    Ich habe in den letzten Jahren monatlich im Duchschnitt € 470,00 erhalten und versteuert , bei ca 40-50 Auftritten pro Jahr.
    Das ist sichlich nicht zuviel und für weniger sollte kein CL arbeiten,
    wenn er denn ein geprüfter Chorleiter, mindestens C2 ist.

    • Aber das heisst, Du leitest 1 Chor.
      Wir haben eine gute Dirgentin, die unsere zwei Chöre leitet. Würe dies bedeuten, man müsste Ihr das doppelte bezahlen ?

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