Was kostet ein Chorleiter? – Teil 3

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Nachdem nun im ersten Teil klar geworden ist, dass ein Chorleiter weit mehr tun sollte, als ein bisschen mit den Armen zu winken, und wir im zweiten Teil versucht haben, einen Preis für die Leistung zu ermitteln, soll es heute darum gehen, ob und wie sich ein solcher Preis umsetzen lässt.

Dies ist der dritte Teil der Artikelserie „Was kostet ein Chorleiter?“. Wenn Sie die Vorgeschichte noch nicht kennen, finden Sie hier Teil 1 und Teil 2.

Wenn ich mit einem Chor in die Honorarverhandlung gehe, weiß ich eigentlich schon vorher, dass in den meisten Fällen das große Gejammer anfängt.‘
„Wir haben ja nichts“, ist da irgendwie immer das Motto. Das ist allerdings oftmals schlicht nicht wahr. Wenn ich auf Mitgliederversammlungen von Chören Mäuschen spiele, höre ich im Rahmen des Kassenberichts oft von fünfstelligen (!) Beträgen, die auf irgendwelchen Konten geparkt sind.
„Als Notreserve“ – wie man auf Nachfrage dann erfahren kann. Die potenzielle Not scheint also groß zu sein. Abgesehen davon, dass doch meistens das Geld, welches dort verwaltet wird, nicht einmal den Sängern gehört, die heute in diesem Chor singen. Das haben doch vorherige Sängergenerationen angespart. Mit meinem Standardsatz in diesem Zusammenhang „Ihr seid doch kein Sparverein und Verwalten von Vereinseigentum ist in eurer Satzung auch nicht als Satzungszweck eingetragen“, möchte ich das an dieser Stelle bewenden lassen.
Niemand möchte gerne ans Ersparte.

Leere Hosentaschen

Vielmehr predige ich in Workshops für Chorvorstände immer wieder die Grundregel, dass laufende Kosten wie die des Chorleiters auch durch laufende Einnahmen gedeckt werden können müssen. Da gibt es ja auch gar nicht so viele:

  1. Mitgliederbeiträge
  2. Zuschüsse (Kirche, Kommune, Land, Chorverband, sonstige regelmäßige Sponsorings)
  3. Vielleicht habe ich noch Konzerteinnahmen, die einigermaßen verlässlich und planbar kommen

Das war es aber doch auch schon. Spenden, Auftrittshonorare, Sponsorings für bestimmte Veranstaltungen etc. kommen im gemeinen Dorfchor nicht regelmäßig genug, um darauf einen Chorhaushalt zu setzen.

Fördermittel, Zuschüsse und Mitgliedsbeiträge

Gehen wir mal von einem Chor ohne Zuschüsse aus. Diese sind erstens kaum noch sicher, irgendwo entdeckt immer noch mal jemand Sparpotenzial und zweitens soll mein Beispielchor davon Noten kaufen.
Es gibt ein Konzert im Jahr und mit dem, was da eingenommen wird, können die Kosten des Konzertes gedeckt werden, vielleicht gibt es noch eine kleine Spende an den Kindergarten und der Rest geht für Speisen und Getränke nach dem Konzert drauf. Schließlich muss sich der Chor ein bisschen „belohnen“.
Bleiben also nur die Mitgliedsbeiträge. Wenn ich jetzt mit den knapp 45,00 € Stundensatz (ich habe aufgerundet) aus dem letzten Artikelteil weiterrechne, ergibt sich Folgendes:

92 Proben- und Auftrittsstunden x 45€ ergeben 4.140€,

die dieser Chor mir im Beispieljahr zahlen müsste. Das sieht dann bei unterschiedlich großen Chören wie folgt aus (€-Betrag je Sänger):

Beispieltabelle Mitgliedsbeiträge

Zur Erinnerung: Wir reden immer noch über 15,00 € je Stunde, die am Ende für mich übrig bleiben.

Schwierig: Finanzierung über den Mitgliedsbeitrag

Und jetzt kommt mein Problem, das ich mit der Argumentation der Chöre immer wieder habe. Natürlich sind 276,00 € Jahresbeitrag für einen 15-Leute-Chor extremes Geld, das jeder Sänger berappen müsste.
Gucke ich aber auf den Preis einer einzelnen Probe, relativiert sich einiges sehr schnell wieder. Chorgesang ist eines der ganz wenigen Hobbys, die kein oder lächerlich kleines Geld kosten dürfen, könnte man meinen.
Natürlich kann ich keinem Chor verkaufen, dass der Mitgliederbeitrag von 10,00 € auf 276,00 € angehoben werden muss. Von 10,00 € auf 15,00 € gibt schon Diskussionen. Ich wollte das selbst nicht glauben, bis ich es erleben durfte (musste). JAHRESBEITRAG!

Mitgliedsbeitrag Erhöhung
Ärger ist schon bei kleinen Erhöhungen vorprogrammiert

Wenn ich dann vor der Tür gucke, mit was für Autos die Sänger zur Probe kommen, fehlen mir die Worte. Oft höre ich auch das Argument, im kleinen Dorf müsse man ja in so vielen Vereinen Mitglied sein, quasi aus sozialem Zwang, auch das läppert sich. Mag sein. Aber für mich ist es auch ein Unterschied, ob ich Mitglied im Schützenverein bin und einmal im Jahr auf dem Schützenfest 10 Gläser Freibier bekomme oder ob ich im Chor jede Woche eine Leistung geliefert bekomme, mit allem was dahintersteht. Zwei Stunden Animationsprogramm. Jede Woche!

Soll mir noch einmal ein Jäger sagen, der Mitgliedsbeitrag im Chor sei zu hoch. Hobbys kosten Geld und es geht hier um das aktive Betreiben einer Freizeitaktivität, nicht um eine Papiermitgliedschaft in einem Förderverein. Ich könnte jetzt noch fünfzig Hobbys mit deren teils immensen Kosten aufzählen, aber das spare ich mir. Wir haben aber oben auch gesehen: Je mehr Personen mitmachen, umso günstiger wird es für den Einzelnen.

Passive Vereinsmitglieder: weitere Möglichkeiten zur Kostenoptimierung

Da gibt es ja auch noch eine weitere Möglichkeit, die Kosten für den einzelnen Sänger zu reduzieren: Passive, also fördernde Mitglieder.
Ich behaupte mal, da sind bei weitem noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. In vielen Chören werden die vorhandenen sogar eher stiefmütterlich behandelt. Und wenn der soziale „Mitgliedschaftszwang“ im Dorf tatsächlich so groß ist, sollte es doch kein Problem sein, viele Fördermitglieder zu akquirieren. Da sehe ich oft ein riesiges Potenzial.

Passive Vereinsmitglieder

Man muss sich natürlich was einfallen lassen, was die Mitgliedschaft attraktiv macht. Eine Sonderverlosung in der Tombola beim Sängerball vielleicht. Drei Preise, die nur unter passiven Mitgliedern verlost werden. 50% Rabatt auf Konzertkarten? Ein „Vorabkonzert“, also die Passiven dürfen sich umsonst die Generalprobe anhören? Warum nicht auch bei anderen Vereinen abgucken: Freibier!

Und nicht zuletzt schicken Sie selbstverständlich als gemeinnütziger Verein unaufgefordert eine Spendenquittung über den Mitgliedsbeitrag an alle fördernden Mitglieder. Halten Sie Ihre Passiven bei Laune, das sind sichere Einnahmen! Und entwickeln Sie stetig Ideen, wie man neue passive Mitglieder werben kann.
In einem Chor sind wir gerade dabei, Bierdeckel mit Mitgliedsanträgen bedrucken zu lassen. Dann kann man künftig „auf dem Bierdeckel“ Mitglied werden. Die Höhe des Beitrages stellen wir frei, geben lediglich eine „Empfehlung“.

Den Chor als Unternehmen wahrnehmen

Ich glaube, viele Chöre müssen anfangen, den Chor auch als wirtschaftendes „Unternehmen“ wahrzunehmen. Und die Aktivitäten dazu haben die Sänger doch selbst in der Hand. Wir wollen uns schließlich einen guten Chorleiter gönnen und der möchte fair bezahlt werden!

Natürlich ist alles bisher Genannte nie in Stein gemeißelt. Errechnet habe ich, was ich gerne BEKÄME. Ob ich das BEKOMME, hängt auch von meinen Argumenten und meinem „Selbstverkaufstalent“ ab.
Angebot und Nachfrage haben auch immer noch ein Mitspracherecht. Es geht mir eher darum, dass sich Chor und Chorleiter bei der Honorarverhandlung ein bisschen entgegenkommen. Der Chorleiter „vergisst“ vielleicht bei der Abrechnung auch mal, dass die letzte Chorprobe drei Stunden gedauert hat, weil die Männer vorab schon mal eine Stunde alleine geprobt haben. Vielleicht sieht er auch darüber hinweg, dass er jeden Mittwoch nach der Probe in der Kneipe noch für 2,00 € ein Bier trinkt, das er zu Hause für 50 Cent trinken könnte.
Dafür kann der Chor sich um neue Mitglieder und Sponsoren bemühen und Aktivitäten planen, mit denen sich vielleicht auch ein wenig Geld verdienen lässt. Da sollten wir schon Hand in Hand gehen. Chorarbeit ist eben doch nicht vergleichbar mit der Arbeit am Fließband, wo das produzierte Stück zählt.

Ausblick auf Teil 4: Was kostet ein Chorleiter?

Und jetzt die gute Nachricht: Es wird einen vierten Teil geben. Die Tipps, die ich zum Erstellen der Abrechnung geben möchte und das, was da steuerlich interessant ist, wären an dieser Stelle zu lang. Daher habe ich das jetzt in einen vierten (und letzten) Teil ausgelagert. Herr Pütz, dann kommen auch endlich die Fahrtkosten 😉

Artikelbild: © Jessmine / fotolia.com

Seit frühester Kindheit singt Christoph Tiemann (30) im Chor. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er selbst Leiter diverser Chöre „auf dem Land“ in seiner Heimatregion – Kinder-, Jugend-, Gospel-, Kirchen-, Männer-, Frauen- und gemischte Chöre hat er geleitet bzw. tut es heute noch. Er ist Organist und begleitet Chöre auf dem Klavier. Außerdem bietet er Chor-Workshops im Bereich Popularmusik, Technikkurse für Chöre und deren Leiter sowie Fortbildungen zu Themen aus dem Chor-Management an. „Musik ist Passion. Nur wenn ich selbst von etwas überzeugt bin, kann ich es auch verkörpern“ – so seine Devise.

Chornoten Arrangement-Verlag

7 Kommentare zu Was kostet ein Chorleiter? – Teil 3

  1. Spendenquittung für Mitgliedsbeiträge??? Gibt es da eine neue Regelung? Ich kenne das bisher als absolutes Tabu. Auch die Buchung einer Spende ist anders als die des Mitgliedsbeitrages…

    • Aber natürlich! Wenn der Chor ein Verein (egal ob eingetragen oder nicht) ist, der vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist, sind auch die Mitgliedsbeiträge steuerlich absetzbar.
      Allgemein bekanntes Beispiel: das Jugendherbergswerk, die schicken die Quittung immer gleich mit.

      • Sorry, aber diese Antwort ist falsch!
        Eine Spende ist eine freiwillige Zuwendung an einen Verein, die der Höhe nach in meinem Ermessen liegt.
        Ein Mitgliedsbeitrag ist eine verpflichtende Zahlung, die der Höhe nach durch eine Satzung/Vorstandsbeschluss festgelegt ist.
        Ein Mitgliedsbeitrag an einen gemeinnützigen, „freizeitnahen“ Verein (Orchesterverein, Chor, Sportverein) kann nicht von der Steuer abgesetzt werden. Wenn ein solcher Verein eine Spendenquittung für den Mitgliedsbeitrag Ausstellen würde, müsste der Verein dafür gegenüber dem Finanzamt haften; Wissentliche Falschausstellung von Spendenbescheinigungen führt zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit mit der Konsequenz der Auflösung des Vereines.
        Das Beispiel DJH ist zwar richtig, hier geht es allerdings primär um die Förderung der Jugendarbeit, der Mitgliedsbeitrag ist in diesem Fall tatsächlich absetzbar.

  2. Eine zusätzliche Einnahmequelle darf keinesfalls unerwähnt bleiben, zumal sie mitunter beträchtliche Summen für die Chorkasse abwirft: Aktivitäten über das Musizieren hinaus wie der Würstchenverkauf beim Pfarrfest oder der Getränkeausschank beim Sommerfest der Gemeinde. Selbst wenn es gelingt, mit viel Überredungskunst so ziemlich jedes Chormitglied für entsprechende Dienste einzuspannen, ist das mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Wenn zwischendurch auch noch ein Chorauftritt vorgesehen ist, müssen sogar Familienangehörige und Freunde einspringen, damit die Akteure gemeinsam auf die Bühne können.

    Nicht selten sponsern Mitglieder sogar ihren eigenen Verein, indem sie ihm bei bestimmten Anlässen (runder Geburtstag, Goldhochzeit, Geburt von Enkelkindern) eine Spende zukommen lassen. Beträge in Höhe von mehreren hundert Euro sind keine Seltenheit. Gerade wenn der Verein keinen finanzkräftigen Protektor an seiner Seite hat, sind solche Sondereinnahmen außerordentlich willkommen.

    Führt der Verein eigene Veranstaltungen durch, die keineswegs nur Konzerte im althergebrachten Sinne sein müssen, kann das die Kassenlage ebenfalls verbessern. Es gibt beispielsweise Chöre, die mit selbst organisierten Karnevalssitzungen so hohe Einnahmen erzielen, dass sie sich in den Folgemonaten um die finanzielle Situation des Chores keine Sorgen mehr machen müssen.

    Dennoch ist bei ausufernden Vereinsaktivitäten Vorsicht geboten, soweit diese mit Musik und Gesang nur wenig zu tun haben. Irgendwann summieren sich Proben, Auftritte und dann auch noch außermusikalische Aufgaben zu einem Gesamtpensum, bei dem so mancher irgendwann die Reißleine zieht. Schließlich ist man kein Festangestellter in einem Unternehmen der Großindustrie, der gefälligst immer auf der Matte zu stehen hat, sobald er gebraucht wird…!

  3. Ich habe mal eine Frage: was heißt Bezahlung per Stunde wenn es zu Auftritten kommt? Wenn ein Auftritt 1 Stunde dauert, aber im Rahmen einer Veranstaltung ist bei der davor zB andere Musiker singen und es dann zB vom Ablauf so aussieht so aussieht:
    30 min Einsingen
    1 Stunden warten bis Auftritt
    30 Stunde Auftritt 1. Set
    30 min Warten
    30 min Auftritt 2. Set
    > werden dann 1,5 Stunden an den Chorleiter bezahlt und die Wartezeit in der Mitte nicht?

    • Hallo Hilke,
      auch wenn meine Chorleiterverträge das sehr genau regeln, rechne ich das ziemlich situativ ab. Theoretisch sehe ich auch Wartezeit als Arbeitszeit, da ich in dieser Zeit auch nichts anderes tun kann. Somit versuche ich immer erst einmal, die so weit wie möglich zu reduzieren (z.B. „Vor-Ort-Einsingen“ kurz vor dem Auftritt). Andererseits möchte ich den Chor auch nicht ruinieren. Da ich meine Proben mit einem Sockel abrechne, gibt es immer mal Minuten, die mir ein Chor bezahlt, ohne eine direkte Gegenleistung zu bekommen, wenn wir z.B. mal etwas eher aufhören zu proben. Da finde ich es dann auch in Ordnung, das Kaffeetrinken oder Abendessen bei einem Auftritt nicht als Arbeitszeit aufzuschreiben. So lange sich dieses „Geben und Nehmen“ in etwa die Waage hält, bin ich der Letzte, der da große Diskussionen anfängt.

      liebe Grüße,
      Christoph Tiemann

  4. Wir suchen in einer kleinen Gemeinde mit 1500 Einwohnern in Oberfranken einen neuen Chorleiter. Unser Chor hatte bislang 24 aktive Sänger und über 100 inaktive Mitglieder. Nach 61 Jahren Chor hat unser Chorleiter jetzt aufgehört. Mit ihm gehen 7 Aktive. Wir möchten weiter bestehen und suchen einen neuen Chorleiter, was uns bislang nicht gelang. Haben Sie ggf. Kontaktadressen?

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