1. Innsbrucker Symposium zum Chor- und Klassensingen „Drum Singe…“

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Lieder, Kanons, Quodlibets, Chorstücke u.v.m. erklangen vom 27. bis 28. April 2018 beim ersten internationalen Symposium für Chor- und Klassensingen in Innsbruck. Eingeladen hatte die musikpädagogische Abteilung der Universität Mozarteum Salzburg.

Rund 70 Teilnehmende waren dem Ruf nach Innsbruck gefolgt. Eine gelungene Mischung aus Vorträgen rund um das Thema „Singen mit Heranwachsenden“ sowie praktischen Handreichungen zur Arbeit mit Kinder- und Jugendchören machten das Symposium zu einer Veranstaltung, die durch ihre „beeindruckende Vielfalt an Themen und Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen großen Gewinn“ bedeute, so Wolfgang Nening von der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik in Wien (BafEP Wien).

Plakat Innsbrucker Symposium

Singen ist Leben

Wie wichtig Singen für das Leben ist und dass seine Rolle gerade in der Schule nicht unterschätzt werden sollte, darin herrschte Konsens. Denn selbst wenn momentan von so etwas wie einer „Renaissance des Singens“ gesprochen werden kann und Förderprogramme ein Umdenken erkennen lassen, entspricht der tatsächliche Stellenwert, den Musik in Bildungseinrichtungen einnimmt, weder quantitativ noch qualitativ seinem beigemessenen Wert. „Drum Singe…“ war also nicht nur Motto des Symposiums, sondern gleichzeitig Aufruf, das Singen als essentiellen Bestandteil in den Entwicklungsprozess von Kindern und Jugendlichen zu integrieren, weil es Seele, Geist und das gesellschaftliche Miteinander stärkt.

Innsbrucker Symposium Proben

Nachdrücklich betonte der Referent Yoshihisa Matthias Kinoshita, der mit dem Wolfratshausener Kinderchor einen der führenden Kinderchöre in Deutschland leitet, dass dem Chorsingen eine politisch-soziale Dimension innewohnt: Wird der Jugendchor als Plattform definiert, die Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit der Partizipation bietet, so wird das gemeinsame Musizieren zu weit mehr als einer schönen Beschäftigung – dann hat Chorsingen das Potential, die Lust an der eigenen Aktivität als Basis für ein gesamtgesellschaftliches Engagement zu entdecken.

Singen schafft Identität

Das identitätsstiftende Element von chorischem Singen lässt einen erfahren, wer man ist, wie man sich ausdrücken, die eigene Körperlichkeit spüren und sich als Einzelner in einer Gruppe wiederfinden kann. Nur wer sich dieses Ureigenen bewusst und in ihm verwurzelt ist, der kann das Andere als Bereicherung in das eigene Sein integrieren, das veranschaulichte die Tiroler Gesangslehrerin Petra Schmid-Weiß. Sie arbeitet mit der Verknüpfung von Musik und Sprache aus Tirol und der Türkei.

Dabei hat die Pädagogin die Erfahrung gemacht, dass den Zugang zu schwerer erreichbaren Zielgruppen durch das gemeinsame Singen vereinfacht wird. Singen hilft soziale, sprachlich und/ oder mentale Barrieren abzubauen und unterschiedlichste Gruppen zusammen zu bringen. In solchen Situationen entfaltet sich der friedensstiftende Charakter von Singen, der durchaus von gesellschaftlicher Relevanz ist.

Singen ist Vielfalt

Charakteristisch für das Symposium war zudem, dass die für das Chorsingen wichtigsten Verlage anwesend waren. So konnten die Symposiumsbesucherinnen und -besucher Einblicke erhalten in die neueste Chorliteratur; natürlich wurden die Gruselsongs und Kinderhits (Musik: P. Schindler) sofort live erprobt und begeistert mitgesungen. Auch hier wurde Vielfalt groß geschrieben: Die Literatur reichte von einstimmigen Liedern für den chorischen Anfang bis hin zur komplexen Mehrstimmigkeit. Und neben neuesten Kompositionen für Kinder- und Jugendchor war ebenso das Thema ,Volkslied‘ und seine zeitgemäße Vermittlung zentral.

Singen heißt Grooving

„Singen und Rhythmus kommen aus dem Körper“, fasst die Musikpädagogikprofessorin Heike Henning zusammen. Workshops wie A Capella Grooving oder Vokale Improvisation mit jazzigen Einflüssen machten deutlich, wie eine bunte Chorpraxis aussehen kann. Der Einsatz von Bodypercussion, das Kreieren von Bewegungsbildern und das Vertrauen in die non-verbale Kommunikation haben das spröde Vor- und Nachsingen im Choralltag abgelöst, stattdessen werden intuitiv-assoziative Zugänge zu neuen Liedern geschaffen und Kinder und Jugendliche ermutigt, sich mit eigenen Ideen einzubringen. Gut singen und musikalisch sein bedeutet heute nicht mehr (nur) die richtigen Töne zu treffen. Künstlerische Qualität, so lautet die Quintessenz, zeichnet sich vor allem durch den kreativen Moment aus. Erfolgreich singen heißt dann, aktiv und ideenreich zu sein, Musik zu wollen und Gemeinschaft zu wollen.

Und so heißen wir gerne die „Renaissance des Singens“ willkommen und freuen uns auf eine baldige Fortsetzung dieses Symposiums. Welch ein Singen, Musizieren!

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