Ist beim Chor alles in Ordnung? So gibt es Feedback für Chorleiter/innen

Chorleiter Meinung

Ziel des Chorleiters oder der Chorleiterin ist es, eine Probe für alle Chormitglieder möglichst angenehm und für die Gemeinschaft produktiv zu gestalten. Doch kann man jedes Chormitglied glücklich machen? Und wie lässt sich das herausfinden?

Woher weiß man, wann man das richtige Gleichgewicht hat und die Mehrheit des Chores zufrieden ist? Direktes Ansprechen kann zwar durchaus funktionieren, wobei aber negative Kritik mitunter aus Rücksicht nicht so geübt wird, wie es vielleicht nötig wäre.
Natürlich muss aus Sicht des Chorleiters bzw. der Chorleiterin auch der Chor selbst anpassungsfähig sein, aber über Jahre gewachsene Strukturen komplett umzuwerfen, stößt so manchem „Alteingesessenen“ dann doch zu arg auf.
Was ist also zu tun, um ehrliches Feedback zur eigenen Arbeit zu bekommen? Die ehrlichsten Antworten gibt es, wenn Anonymität gegeben ist. Die Lösung lautet also: Erstelle einen Fragebogen.

Frau überlegt

Welche Fragen soll ich stellen?

Die Fragen sind natürlich abhängig von der jeweiligen Situation. Ist der Chor noch nicht lange unter der eigenen Leitung, ist das eine ganz andere Situation, als wenn nach vielen Jahren bei allen Beteiligten fühlbar die Luft raus ist.

Hier sind einige typische Fragen:

  • Sind die Aufwärm- bzw. Einsingübungen zu lang / genau richtig / zu kurz?
  • Bin ich zu streng / genau richtig / zu locker?
  • Wie gefällt die Liedauswahl allgemein?
  • Möchtest du mehr Mitbestimmungsrecht bei der Liedauswahl?
  • Sollen wir mehr Titel auf Englisch singen?
  • Sind die Proben zu lang / genau richtig / zu kurz?
  • Ist die Lerngeschwindigkeit zu hoch / genau richtig / zu kurz?
  • Sind während der Proben zu viele Pausen?
  • Was kann ich besser machen?
  • Was sind deine Erwartungen an den Chor in den nächsten 12 Monaten?

Gestaltung des Fragebogens

Wie sollte der Fragebogen aufgebaut sein? Für möglichst detaillierte Antworten kann einfach nur die Frage mit ausreichend Platz darunter notiert werden. Dieser Aufbau macht dem Antwortenden aber ziemlich viel Arbeit, da die Antworten nun mal per Hand aufgeschrieben werden müssen. Ist dies die bevorzugte Vorgehensweise, muss die Anzahl der Fragen unbedingt so weit wie möglich reduziert werden.
Besser sind Multiple-Choice-Fragen, wie sie in der Liste oben auch schon definiert sind. Drei Möglichkeiten zur Auswahl, fertig. Das macht auch die Auswertung später leichter und ermöglicht mehr Fragen. An eine solche Liste lassen sich auch problemlos noch ein bis zwei Fragen anhängen, die dann schriftlich beantwortet werden können.

Durch das Einsammeln von Feedback profitiert nicht nur der Chorleiter oder die Chorleiterin selber, auch die Chormitglieder fühlen sich ernst genommen, wenn kritisierte Punkte aus dem Feedback auch wirklich in die Tat umgesetzt werden.

Hier gibt es eine Vorlage als PDF und zum Bearbeiten für Microsoft Word.

Haben Sie schon einmal Feedback vom Chor eingeholt? Wie ist das abgelaufen? Wir freuen uns über Ihre Erfahrungen – nutzen Sie dafür einfach unsere Kommentarfunktion.

Chornoten Arrangement-Verlag

1 Kommentar zu Ist beim Chor alles in Ordnung? So gibt es Feedback für Chorleiter/innen

  1. Ich habe schon Erfahrungen aus einigen Feedbackrunden…
    Unseren Chor gibt es erst seit 3…4 Jahren und die Repertoiredefinition ist noch nicht abgeschlossen. Auch ist die Anzahl der stimmsicheren Sänger*innen eher gering – es ist ein Basisaufbau mit viel try-and-error.
    Feedbackbögen habe ich aus der Not geboren, um die Probe nicht zu „zerquatschen“. Wenn die Mädels erstmal starten, dauerts … 😉
    Habe auch mit online-Fragebögen experimentiert (Surveydonkey), aber nicht alle haben Internet bei mir.
    Ich bin etwas verunsichert. Ich glaube, bei vielen Chorleitern gibt es einen ausgeprägten patriarchalischen Führungsstil (auch wenn sie versuchen, freundlich zu wirken). Von ihnen habe ich eher Abneigung von solchen „demokratischen Tools“ gespürt. Subtext: Du bist der Boss und ziehst dein Ding durch. Wenn welche abspringen, ist das eben so.
    Selbst hatte ich einige Aussenwirkungstrainings über den Arbeitgeber besucht, und da wurde Feedbackgeben als sehr wichtig dargestellt und essentiell für Arbeit in Gruppen und Teams im 21. Jahrhundert.
    So weiss ich nun, was mein Chor sich wünscht. Aber einige Dinge werde ich nicht erfüllen, da sie meinen Bedürfnissen entgegenlaufen. (z.B. will ich Notenkenntnisse, Intonationshören, usw. vermitteln und bitte, häuslich per Übe-MP3 zu üben – viele wollen aber easy-going so singen und denken, das fliegt ihnen alles irgendwie schon zu). Alles was Arbeit macht, sollte aus ihrer Sicht eliminiert werden.
    Von daher – ja, Feedback ist gut aber die richtigen Schlüsse daraus ziehen und den Way-Forward definieren bleibt anschließend doch eine anstrengende Aufgabe. Und die Sänger sind dann ggf. umso mehr enttäuscht: Jetzt haben wir dir gesagt, was wir wollen, und du reagierst gar nicht darauf.

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