Vereinsmarketing: Was Gesangvereine erfolgreich macht

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Mitgliederschwund in Chören ist seit vielen Jahren ein Dauerbrenner, leider im negativen Sinn. Um sich gegen diesen Trend zu stemmen, gibt es viele Tipps und Ratschläge. Anhand eines realen Beispiels beschreibt dieses Buch, wie es funktionieren kann.

Um etwas an der Situation des Mitgliederschwundes zu verändern, fehlt vielen Chören die zündende Idee, was überhaupt gegen den negativen Trend getan werden kann. Darum haben wir uns den Ratgeber von Dr. Hartmut Lutschewitz „Vereinsmarketing – Was Gesangvereine erfolgreich macht“ durchgelesen, um zu sehen, welche Möglichkeiten präsentiert werden.

Trockener Titel, erfrischender Inhalt

Der Titel des Buches mutet auf den ersten Blick etwas trocken an. Schwere Kost mit viel Theorie. Das ändert sich aber bereits auf den ersten Seiten, denn das Buch ist nicht einfach eine zusammengestellte Sammlung von Best Practices und Tipps. Am realen Beispiel des GV Überall wird dargelegt, wie es der Gesangverein geschafft hat, seinen Männerchor wieder auf die Beine zu bekommen und wie davon auch der zugehörige Frauen- und Kinderchor profitieren konnte.
Aus Gründen der Anonymisierung wurde der Name des Vereins und der beteiligten Personen verändert, die Ereignisse und die Ergebnisse sind aber echt. Das hier vorgestellte Buch ist die zweite Auflage. Hierin ist nicht nur die Entwicklung eines Konzeptes, sondern auch dessen Umsetzung beschrieben.

Status Quo des GV Überall

Der GV Überall wurde 1860 gegründet. Nach der Gründung ging es mit den Mitgliederzahlen steil bergauf, die beiden Weltkriege machten dem GV Überall allerdings schwer zu schaffen. Doch danach gab es einen rasanten Anstieg der Mitglieder bis in die 60er Jahre.
1998 gründete sich im Gesangverein ein Frauenchor, der besonders bei langjährigen und altgedienten Sängern nicht auf viel Gegenliebe stieß. 2005 gesellte sich ein Kinderchor dazu, ebenfalls entstanden durch die Initiative der Chorleiterin des Frauenchores. „Schon“ 2008 konnte der Verein von MGV in GV umbenannt werden, um den Frauenchor und den Kinderchor unter das Dach „Gesangverein“ zu bekommen. Der Männerchor kämpft schon lange mit großen Problemen.

Das ist, kurz umrissen, die Ausgangssituation für den Vorstand des Vereins im Jahr 2013. Bei vielen Mitgliedern macht sich Unmut breit über die wenig effektive Vorstandsarbeit und der allgemein schlechten Stimmung im Verein. Doch der Vorstand schafft es, die Notbremse zu ziehen und Maßnahmen gegen den Abwärtstrend einzuleiten. Den Grundstein dafür legt er auf der Jahreshauptversammlung im Jahr 2013 mit Tagesordnungspunkt 7: Die Zukunft des Vereins.

Vereinsmarketing Ausschnitt
Umfangreiche Grafiken und Schaubilder helfen beim Konzept

Ziele und Ideen in Konzepte verpacken

An dieser Stelle beginnt das Buch mit der Vorstellung eines Konzeptes für Vereinsmarketing. Aber eben nicht aus der grauen Theorie heraus – auf ca. 150 Seiten (insgesamt sind es ca. 170) bietet das Buch einen praxisorientierten Leitfaden für ein Marketingkonzept des Vereins, das auf folgenden Fragen aufbaut:

  • Leitbild: Wofür stehen wir?
  • Marketingziele: Welche Ziele haben wir?
  • Strategie: Wie erreichen wir diese Ziele?
  • Werkzeug: Was müssen wir dafür tun? Und wie?
  • Ressourcen: Welche haben wir und wie können wir sie nutzen?

Grundlage für ein erfolgreiches Vorgehen ist das Setzen von Zielen. Diese müssen natürlich realistisch und somit auch erreichbar sein. Und zwar in einem ausreichenden Zeit- und Arbeitsrahmen. Das Buch hilft beim Finden und Erreichen dieser Ziele mit vielen Checklisten und Schaubildern. An der einen oder anderen Stelle verheddert sich das Buch ein wenig in Grafiken und Schaubildern, die auf den ersten Blick und für eher praktisch veranlagte Menschen abschreckend wirken könnten. Sie helfen aber dabei, die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Vereinsmarketing Buch Ausschnitt

Das Allround-Marketing-Konzept für den Chor?

Bietet das Buch „Vereinsmarketing – Was Gesangvereine erfolgreich macht?“ das Patentrezept für die Auffrischung des Chores? Es wäre sehr vermessen, so etwas zu behaupten. Nicht jedes Konzept lässt sich so ohne Weiteres für jeden Anwendungszweck umsetzen.

Das Buch lehrt aber vor allem eines: Alleingänge des Vorstandes in Sachen Marketing bringen selten Erfolge. Wichtiger ist, alle Mitglieder ins Boot zu holen und gemeinsam die gesteckten Ziele zu erreichen. Und einmalige (Werbe)-Aktionen haben selten den erhofften positiven Effekt. Ein langer Atem ist gefragt, besonders im Vereinsmarketing.

Jetzt gewinnen: Wir verlosen unser Rezensionsexemplar!

Welche Marketingaktionen haben Sie schon für Ihren Chor durchgeführt? Waren sie erfolgreich oder nicht? Ist das Chorsterben nur typische Schwarzmalerei, völlig normal oder wandelt sich einfach die Chorlandschaft?
Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen und Meinungen in den Kommentaren. Alle Kommentatoren kommen am 13. März in einen Lostopf und können unser Rezensionsexemplar des Buches gewinnen. Also, los geht’s.

Infos zum Buch
Der Autor Dr. Hartmut Lutschewitz ist selbst Vereinsvorsitzender eines MGV und hat bereits weitere Bücher zum Chorwesen veröffentlicht. Das Buch ist erschienen im BWB Verlag & Mediendienste, kostet 22,40 € und ist erhältlich bei Amazon.de (Partnerlink), direkt beim Verlag oder im Buchhandel.

Chornoten Arrangement-Verlag

15 Kommentare zu Vereinsmarketing: Was Gesangvereine erfolgreich macht

  1. Gute Idee für ein Buch. Ich selbst singe in zwei Chören für die ich jeweils in unterschiedlichen Funktionen im Vorstand tätig bin. Das Problem ist bei beiden Chören gleich: es fehlt an Männerstimmen, insbesondere an Nachwuchssängern. Scheinbar fällt es Frauen doch leichter den Schritt (auch mal alleine) in einen Chor zu gehen. Anzeigen, Aufrufe oder auch direkte Ansprache haben bislang noch noch die gewünschte Wirkung gezeigt. Vllt findet sich ja ein neuer Ansatz im Buch;-))

    • Hallo, liebe Frau Seuken! Leider sehe ich erst jetzt Ihren Kommentar. Sie haben recht: Es geben zwar viele (traditionelle) GVs auf, es gründen sich aber ständig neue Vokalensembles, Chöre etc. – durchaus auch ohne Vereinsstatus, nur des Singens wegen. Dazu gibt es eine neues Büchlein von mir, was vielleicht demnächst auch in chor-heute besprochen wird. Zu weiteren Infos gehen Sie einfach auf meine WebSite!

    • Aber klar doch gibt es das Chorsterben, auch wenn das von „Experten“ nicht gerne gesehen und expressis verbis negiert wird. Der Vorsitzende des Chorverbandes Rheinland-Pfalz Herr Wolff sieht das Chorsterben angeblich ebenfalls nicht. Ich dagegen schon. (Chordirektor FDB) .Innerhalb meiner jahrelangen Beobachtung der Chorszene Rhein-Ahr sind die Männerchöre Liedertafel Bad Breisig, Männerchor Waldorf, demnächst auch Männerchor Wehr/Eifel eingegangen, der MGV Lyra Walporzheim geht zusammen mit dem MGV Ahrweiler, sowie der MGV Eintracht Bad Bodendorf und der MGV Cäcilia Sinzig singen unter meiner Leitung seit 2016 zusammen, da keiner der beiden alleine hätte weiterbestehen können . . . Reicht das ? Ich rufe dazu auf, r i c h t i g hinzuschauen und den kleinen Chören, die mit 70 Jahren eben nicht „Deutsche Bahn“ singen wollen (Beispiel) zu helfen, persönlich, idealistisch, kontaktmäßig. Und nicht nur zu beklagen, daß die Chorleiter nicht zu öffentlichen Veranstaltungen erscheinen würden.
      Die traditionelle, gute Literatur muß beworben werden, es sollte endlich mal gute Programmgestaltung stattfinden, keine „Nummernprogramme“ mehr – deren Chorwerke nicht zusammenpassen – die übergeordneten Chorleiterkollegen wie Kreis- und Regionalchorleiter sollten sich immer wieder mal bei Chorkonzerten zeigen – auch in Chorproben erscheinen – einfach alles, was im gemeinsamen menschlichen Leben Freude macht. Papiernerne Einladungen zu Veranstaltungen eines Chorverbandes reichen nicht !
      Und vieles mehr.
      Übrigens: Freue mich über einen gesunden, fairen Austausch, wer will schreibt mir gerne: bardo.chor (at) online.de
      Besten Gruß und bitte frisch ans Werk gehen. Manchmal ist das „Alte“ das Neue ! . . .
      Bardo Becker, Chordirektor FDB, Niederzissen

  2. Für die neugegründete Jugendchorakademie Wien wäre dieses Buch sicher eine tolle Stütze um sich fest in der Chorszene und darüber hinaus zu verankern!

  3. Die Bergische Singelandschaft (nicht: Singlelandschaft!) ist sehr lebendig. Gesangs-Events gibt es hier nicht so oft wie in den Metropolen. Marketing? Ist ein frischer Jugendchor ein Marketinginstrument? Niedrigschwellige Angebote und Einmischung in den Alltag der Menschen statt immer nur das klassische Konzert in der Aula.

  4. Die CHORiFeen Buchenberg gibt es zwar erst seit ein paar Jahren, aber das Buch enthält bestimmt interessante Aspekte, um die Mitglieder zu behalten bzw. neue zu gewinnen ??? und weiterhin erfolgreich zu sein

  5. Vereinsmanagement ist ein Thema, das in Männerchören so beliebt ist, wie der Besuch von Konzerten anderer Chöre. Dennoch kann man Erfolg haben. Mit dem richtigen Ansatz: Was? Wie? Warum? Die drei Kernfragen für jedes Unternehmen, das gelingen soll. Vielen Chören fehlt die Zielsetzung. Wir haben es zunächst versucht, mit einer Arbeitsgruppe ein Konzept zu erstellen. Die Ergebnisse waren mehr als zufriedenstellend. Dann haben wir uns entschlossen, die Federführung an den gewählten Vorstand abzugeben. Das war die falsche Entscheidung. Heute will der Chor nur noch ein wenig singen und ich bin kein aktives Mitglied mehr. Das mit dem Boot kann ich nur unterstützen, aber auch auf hoher See ist man vor Heckenschützen nicht sicher.

  6. Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Bei uns ging es Dank gemischtem Chor und Kinderchor wieder bergauf – die Frage ist: Wie lange?
    Ein interessantes Buch, das auf jeden Fall auf meinen Wunscherfüllung kommt.

  7. Unser Kinder- und Jugendensemble feiert in diesem Jahr sein 15jähriges Bestehen. Immer wieder haben wir mit wechselnder Besetzung zu “kämpfen“. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt lassen sich die Kids begeistern und plötzlich ist alles uncool. Wir suchen immer nach innovativen Ideen und Vorschlägen. Vielleicht gibt uns ja das Buch den Schubs in eine neue Richtung. Wir sind gespannt.

  8. Wir, d.h. der Männergesangverein aus Honsfeld (belgische Eifel), haben es in einem kleinen Dorf geschafft, unseren Chor auf eine gute Basis zu setzen. Wir singen mit der Dorfjugend jedes Jahr am 30. April gemeinsam in den Mai hinein. Die Dorfjugend muss aber vorab zweimal zur Probe kommen, da wir auch in der Maiennacht den Anspruch haben, vierstimmig zu singen. Nicht selten entdeckt ein Jugendlicher so die Freude am Chorleben.

  9. Vereinsmanagement, ein wichtiges und interessantes Thema. Aktuell haben wir das Glück mit ausreichend Sängerinnen aus drei Generationen auftreten zu können. Allerdings steht bei einigen unserer jüngsten Sängerinnen der Start ins Berufsleben oder Studium an, was zum Teil auch mit einem Ortswechsel verbunden ist. Weiterhin haben auch ein paar unserer ältesten Sängerinnen bereits signalisiert, dass sie in Kürze in die passive Mitgliedschaft wechseln werden. Da brechen uns über kurz oder lang einige gute Stimmen weg. Also müssen wir uns jetzt bereits mit der Gewinnung neuer Sängerinnen befassen.
    Natürlich gehört die Nachwuchsgewinnung schon seit Jahren zu unserem Vereinsmanagement. 2015 haben wir zum Beispiel eigens für ein Frühjahrskonzert
    einen Projektchor gegründet. Interessierte konnten in diesem „Chor auf
    Zeit“ unverbindlich unseren Verein kennenlernen. Aus diesem Projekt
    konnten wir neue Sängerinnen „U20“ für unseren Chor gewinnen. In diesem Zusammenhang sind auch die ganz kleinen Sänger und Sängerinnen wichtig. Leider gibt es im direkten Umkreis keinen Kinder-/Jugendchor mehr und wir haben uns fest vorgenommen dies zu ändern. Also werden wir in den nächsten
    Wochen dieses Projekt verstärkt vorantreiben. Gespräche mit den Eltern
    führen, Chorleiter/-innen akquirieren. Wir sind sehr motiviert und hoffen
    recht bald ein positives Ergebnis vorzeigen zu können.

  10. Überall die gleiche Aufgabenstellung: Männerstimmen gewinnen. Die große Herausforderung. Bin gespannt, ob Lösungen im Buch vorgeschlagen werden.

  11. Das Buch wäre echt auch für meine Vereine interessant, bei denen ich Chorleiterin bin. Vielleicht kommt den Verantwortlichen ja mal in den Sinn, dass der Mangel an neuen Sängerinnen und Sängern nicht unbedingt immer was mit der Art der Literatur zu tun hat. Denn in der modernen Branche sind wir schon aktiv. Eine Hilfestellung wäre da nicht vergebens.

  12. In unserem Frauenensemble suchen wir zwar keine Männer, aber gute Sängerinnen in den Außenstimmen (Sopran 1, Alt 2) zu finden, ist auch nicht einfach. Uns ist wichtig, auch im Internet mittels eigener Website und in den Sozialen Medien präsent und aktiv zu sein, und uns kreativ und sympathisch zu präsentieren. Wir sind aber immer noch auf der Suche nach neuen Ideen und Vorgehensweisen, da kann uns dieses Buch sicher Hilfestellung geben.

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